Bauen im Herbst: Die 5 wichtigsten Tipps

Bauen im Herbst

Bauberater Olaf Wittmack gibt wertvolle Hinweise

Witterungsbedingt haben Bauherren oft Zweifel, im Herbst mit dem Bau zu starten. Dabei spricht einiges für den Baubeginn –trotz „Schmuddelwetter“. Damit der Bau in der kalten Jahreszeit gelingt, hat Bauberater Olaf Wittmack vom Institut für Hausbau & Bauberatung (IHB) ein paar Fakten und Tipps zusammengestellt.

1. Bereitstellungszinsen

Wer mit der Bank über den Kredit einig geworden ist, sollte an die sogenannten Bereitstellungszinsen denken. Dabei handelt es sich um Zinsen, die manche Kreditinstitute erheben, nur um eine bestimmte Summe zur Auszahlung bereitzuhalten – ohne, dass Geld tatsächlich fließt. Beispiel: Ein Kunde schließt Anfang Juli einen Kreditvertrag über 150.000 Euro ab. Festgeschrieben sind Bereitstellungszinsen in Höhe von jährlich 3 Prozent, die ab dem 61. Tag fällig werden. Hier würden nach vier Monaten insgesamt 500 Euro an Bereitstellungszinsen anfallen – hinzu kommen weitere Kosten für die laufende Miete. So können die Zinskosten nur für die Bereitstellung je nach Rahmen bei 500 bis 1.500 Euro liegen. Sofern es sich um größere Bauvorhaben handelt, kann die Summe noch deutlich darüber liegen. Verzögerungen am Bau können also teuer werden. Der Abtrag von Bereitstellungszinsen dient nicht zur Tilgung des vereinbarten Kredites. Die Auszahlung des eigentlichen Kredites orientiert sich schrittweise an den Bauphasen. Sobald gebaut wird, werden Rechnungen fällig und die Kreditsummen ausgezahlt. Erst dann beginnt die Tilgung. Finanziell kann es sich also lohnen, noch im Herbst mit dem Bauen zu beginnen.

2. Bauen mit gedecktem Dach

Sofern noch im Oktober mit dem Rohbau begonnen werden kann, ist es bis zum Winter möglich, den Rohbau mit einem wetterfesten Dach auszustatten. Falls das nicht gelingt, bieten Notdächer ausreichend Schutz vor Unwetter. Achten Sie darauf, Notdächer vertraglich zu fixieren! Sie sollten ausreichend Schutz vor Niederschlägen bieten, Frost überstehen können und gut gesichert sein. Das Dach ermöglicht im Herbst/Winter die Arbeiten am Innenausbau.

Bauen mit wetterfestem Dach

3. Rohbau trocknen lassen

Der Rohbau kann in den niederschlagsarmen Wintermonaten gut austrocknen. Gleichzeitig kann er sich richtig setzen, wodurch die sogenannten Setzrisse vermieden werden.

Bauen unter dem Zelt

4. Witterungsbedingte Ausfälle

Regen, Sturm und Frost können den Bauablauf verzögern. Aber, der Herbst kommt nicht überraschend. Mögliche Ausfälle können also schon im Vorfeld vertraglich fixiert werden. Dabei sollte eine Kalkuation über die Anzahl der Ausfalltage vorgenommen werden. Vereinbarungen über die Haftung und den finanziellen Ausgleich beim Überschreiten der Ausfalltage müssen getroffen werden. Bedenken Sie dabei die höheren Kosten für die Miete!

5. Haftung klären

Grundsätzlich stehen die Bauunternehmen in der Pflicht, sowohl den Rohbau als auch die Materialien vor witterungsbedingten Einflüssen zu schützen, solange das Haus noch nicht abgenommen wurde. Allerdings kann nicht jede Firma den selben Umfang an Schutz garantieren. Daher ist es ratsam, vor der Vertragsunterzeichung die Schutzleistungen eindeutig zu definieren und Einigkeit herzustellen. Private Bauherren sollten sich hierfür Auskünfte bei unabhängigen Bauberatern oder Fachanwälten für Baurecht einholen.

Witterungs-Ausfälle absichern

Schutz vertraglich fixieren.

Zusammenfassung

Der Baubeginn im Herbst ist sinnvoll bei gewissenhafter Planung. Beachten Sie das Kleingedruckte bei den Verträgen mit den Kreditgebern und den Bauunternehmen! Mit einem wetterfesten Rohbau, geregelten Haftungs- und Ausfallfragen sowie transparenten Zinsen steht einem Baubeginn in der kalten Jahreszeit nichts im Wege.