Die 12 größten Irrtümer beim Energiesparen

Sparen durch Informieren

Gut Informierte haben mehr im Portemonnaie

16 Prozent weniger Energieverbrauch – das ist das Resultat einer aktuellen Informationskampagne der Deutschen Energie-Agentur (dena) gemeinsam mit dem Energiedienstleister ista, dem Bundesbauministerium und dem Deutschen Mieterbund. Die Informationskampagne läuft unter dem Namen „Bewusst heizen, Kosten sparen“ und überprüft die Auswirkungen von Energiedatenmanagement und Verbraucherverhalten. Das Ergebnis: Besonders gut informierte Verbraucher sparen am meisten. Daher haben wir die 12 größten Irrtümer beim Energiesparen zusammengestellt. Sparen durch Lesen!

Irrtum 1: Gute Wärmedämmung verursacht Schimmel

Die schwarzen Flecken an den Wänden sind ein untrügliches Zeichen für Schimmel. Er entsteht, wenn sich Wasser an ausgekühlten Außenwänden sammelt. An den Stellen mit mangelhafter Dämmung ist der Schimmel zuerst zu sehen. Eine perfekt geschlossene Gebäudehülle führt nicht zu Schimmel, sofern eine gut eingestellte Lüftungsanalge für die richtige Luftfeuchtigkeit in den Räumen sorgt.
Alternativ hilft mehrmaliges Stoßlüften am Tag. Dadurch kühlt das Haus nicht unnötig aus und die überschüssige Feuchtigkeit kann schnell entweichen.

Irrtum 2: Dreifachverglasungen sind dreimal dichter

Dreifachverglasung eines Fensters

Dreifachverglasung ist heute Standard.

Mit einfacher Mathematik kann man hier nicht kommen. Eine Dreifachverglasung isoliert 12 Mal (!) besser als eine Einfachverglasung. Das Ergebnis ist vor allem den technischen Innovationen der Fensterbauer zu verdanken. Bis Ende der 70er Jahre dominierten den Hausbau einfach verglaste Fenster sowie Kasten- und Verbundfenster mit je zwei Einzelscheiben. Seit 2005 hat sich der Trend zur Dreifachverglasung enorm verstärkt. Heute gibt es Fensterzubehör, das für eine Wärmerückgewinnung von bis zu 76 Prozent sorgt.

Irrtum 3: Flachbildschirme verbrauchen weniger Strom

Endlich hat die alte Röhre den Geist aufgegeben. Nun soll der Stromfresser durch einen großen, modernen LCD-Fernseher ersetzt werden, die Stromrechnung ist eh zu hoch. Das könnte ein böses Erwachen geben. Der Stromverbrauch von TV-Geräten bemisst sich in erster Linie durch die Auflösung und die Bildschirmdiagonale. Hier gilt die Faustregel: Eine Verdopplung der Fläche bedeutet die Vervierfachung des Stromverbrauchs. Die günstigste Variante ist derzeit die LED-Technik. Laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz benötigen LED-Fernseher „bis zu einem Drittel weniger Strom als herkömmliche LCD-Geräte ohne LED-Hintergrundbeleuchtung“. Die meisten Plasma-Fernseher haben ebenfalls einen hohen Stromverbrauch. Flachbildschirm ist also nicht gleich Flachbildschirm.

Irrtum 4: Abtauen beim Eis-/Kühlschrank bringt nur wenig

Kühl-/Gefrierschrank

Spitzenreiter unter den Energiefressern: Gefrier- und Kühlschränke.

Regelmäßiges Abtauen von Kühl- und Eisschränken gehört zu den wichtigsten Maßnahmen beim Energiesparen. Da die Geräte rund um die Uhr laufen, gehören sie zu den Top-Verbrauchern im Haushalt. Eine Eisschicht wirkt wie eine Dämmung. Schon eine Reifeansatz von 1 Zentimeter bewirkt den Anstieg des Stromverbrauchs von 50 Prozent. Das Einsparpotenzial ist bei diesen Geräten daher besonders hoch – 15 bis 45 Prozent sind hier möglich. Ältere Geräte müssen manuell abgetaut werden, einige neuere Geräte haben eine automatische Abtaufunktion.

Irrtum 5: Wo der Kühlschrank steht ist unwichtig

Der Kühlschrank ist nur auf den ersten Blick ein abgeriegelter Raum, der unabhängig von seiner Umgebung funktioniert. Viele Kühlschränke befinden sich direkt neben dem Herd, in der Nähe der Heizung oder sind direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Das erhöht selbstverständlich den Kühlaufwand enorm und produziert unnötig hohen Verbrauch. Generell gilt: Bei nur einem Grad geringerer Raumtemperatur spart man bei Kühlgeräten 6 Prozent, bei Gefriergeräten 3 Prozent Energie. Sofern die Küche nur wenig beheizt wird, liegen die Einsparpotenziale sogar deutlich darüber.
Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Lüftungsgitter und -schlitze frei zugänglich zu halten. Mindestens alle sechs Monate sollten sie vom Staub befreit werden.

Irrtum 6: Lüften mit gekipptem Fenster reicht aus

Fensterlüftung

Lüften mit Durchzug ist besser als ein gekipptes Fenster.

Nur in den Sommermonaten reicht die Kippfunktion der Fenster aus, um ein angenehmes Raumklima zu schaffen. In den kalten Monaten begünstigen gekippte Fenster die Schimmelbildung, weil die Feuchtigkeit in der Luft nicht schnell genug ausgetauscht werden kann. Küche, Badezimmmer und Schlafzimmer sind besonders von Luftfeuchtigkeit betroffen. Jeder Mensch verdunstet täglich bis zu 1,5 Liter „Wasser“ in seine Umgebung, Zimmerpflanzen bis zu 1,0 Liter, Kochen und Duschen zirka 0,75 Liter. Durch frisch gewaschene Wäsche verdampfen stolze 2,0 bis 3,5 Liter Wasser. Um diese Mengen wieder loszuwerden, empfiehlt es sich mehrmals am Tag Stoß zu lüften. In Räumen mit zwei gegenüber liegenden Lüftungsmöglichkeiten genügen 1 bis 5 Minuten. Bei nur einem Fenster im Raum reichen 5 bis 10 Minuten vollkommen aus.

Irrtum 7: Elektrogeräte verbrauchen keinen Strom, wenn sie abgeschaltet sind

Das konsequente Verharren der Elektrogeräte im Standby-Modus kostet im Schnitt 115 Euro Strom pro Jahr. Das hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) herausgefunden. Besonders stromgefräßig sind PC, Monitore und Drucker, Hi-Fi-Geräte und DVB-T-Receiver. Aufpassen muss man auch bei Espressomaschinen, alten Fernsehern, Routern und Sat-Tunern. Am besten verzichtet man also auf den Standby-Modus und legt sich zusätzlich einen Mehrfach-Strom-Stecker mit Kippschalter zu.

Irrtum 8: Wäschetrockner ziehen viel Strom

Wäschetrockner

Die meisten neuen Wäschetrockner sind energieeffizient.

Am meisten Energie spart es selbstverständlich, wenn man auf den Einsatz von Wäschetrocknern verzichtet. Ältere Modelle ziehen tatsächlich viel Strom. Das belegen ein paar Zahlen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Geräte, die älter als zehn Jahre sind verbrauchen demnach 649 Kilowattstunden pro Jahr, moderne Trockner der Energieeffizienzklasse A+ nur 235 Kilowattstunden. Die Ersparnis bei den Stromkosten liegt bei rund 100 Euro im Jahr, nach 13 Jahren entsprechend bei 1.300 Euro. Empfohlen werden Wäschetrockner, die mit Wärmepumpen arbeiten. Sie benötigen bis zu 70 Prozent weniger Strom als Kondenstrockner. Allerdings verlangt die Wärmepumpentechnik das Reinigen der Wärmetauscher alle drei Monate.

Irrtum 9: Nur heiß gewaschene Wäsche ist wirklich sauber

Das ist eine Auffassung aus alten Zeiten. Bei den üblichen Verschmutzungen reichen 40 statt 60 Grad beziehungsweise 30 statt 40 Grad aus. Einmal getragene Wäsche, die nur dem körpereigenem Gebrauch ausgesetzt wurde, kann meistens bei 20 Grad gewaschen werden. Sogar Bettwäsche muss nicht mehr gekocht werden – 60 Grad langen. Eine 95-Grad-Wäsche verbraucht doppelt so viel Strom wie ein Waschgang mit 60 Grad. Ohnehin verfügen moderne Waschmittel über Enzyme mit hervorragenden Eigenschaften bei der Fleckentfernung.

Irrtum 10: Geschirr mit der Hand spülen ist sparsamer

Spülen mit der Hand

Geschirrspülmaschinen erleichtern das Leben.

Vieles hängt von den individuellen Spülgewohnheiten ab. Mit ein paar Wassertropfen zuvor eingeweichtes Geschirr kann zu guter Letzt mit der Hand und geringem Verbrauch abgewaschen werden – kann! Vorspülen mit ein wenig Warmwasser ist aber bereits Verschwendung. Heutige Maschinen arbeiten äußerst effizient, sowohl beim Wasser- als auch beim Stromverbrauch. Daher kann der Abwasch mit einer neuen Geschirrspülmaschine sparsamer erledigt werden als mit der Hand.

Irrtum 11: Duschen ist immer sparsamer als Baden

Eine Durchschnitts-Badewanne fasst zirka 100 Liter Wasser. Ein ebenso durchschnittlicher Duschkopf lässt pro Minute 15 Liter Wasser durch. Nach 7 Minuten landet demnach die selbe Wassermenge wie beim Baden im Abfluss. Wer den Verbrauch signifikant senken will, sollte sich einen Wasserspar-Duschkopf zulegen und spätestens nach 5 Minuten mit der Körperwäsche fertig sein.

Irrtum 12: Energiesparlampe ist Energiesparlampe

Beleuchtungsmittel

Sparen mit der richtigen Wahl der Beleuchtungsmittel.

Nach der Revolution auf dem Markt der Beleuchtungsmittel ist die Verwirrung noch nicht ganz abgeklungen. Neben dem vereinzelten Verkauf von altbekannten Glühbirnen, ist ein großer Markt entstanden mit Energiesparlampen, Halogen-Leuchten und LED-Lösungen. Energiesparlampen benötigen bereits deutlich weniger Strom als die alten Glühbirnen. Schätzungen zufolge liegt die Ersparnis bei rund 80 Prozent. Oft werden aber mehrere Energiesparlampen benötigt, um einen vergleichbaren Ausleuchtungsgrad zu erreichen. Das Licht wird obendrein nicht immer als angenehm empfunden. Eine Energiesparlampe mit 11 Watt hat eine Lebensdauer von 8.000 Stunden. Ihr jährlicher Stromverbrauch liegt bei 10,84 Kilowattstunden. Eine Halogenglühlampe mit 46 Watt Leistung ist eine wahre Energieschleuder. Ihre Lebensdauer liegt bei 2.000 Stunden, der Jahres-Verbrauch bei 45 Kilowattstunden. Die besten Eigenschaften beim Energiesparen haben die LED-Leuchten. Mit 9,36 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht eine Variante mit 9,5 Watt Leistung etwas weniger Strom als die Energiesparlampe. Die LED-Leuchten halten aber fast doppelt so lange (15.000 Stunden). Verbraucher sollten dennoch gut austesten, welche LED-Leuchte sie kaufen, da auch hier (noch) das Problem der Ausleuchtungs-Kraft besteht. Das Farbspektrum ist generell zwar angenehmer als bei den Energiesparlampen, aber auch bei den LED-Leuchten lohnt es sich genau hinzuschauen. Das Problem wird voraussichtlich in wenigen Jahren gelöst sein, da die Hersteller daran arbeiten.