Unfallprävention: das Kinderzimmer sicher machen

Das Kinderzimmer sicher machen

Vorsicht: In den ersten Lebensjahren ist die Verletzungsgefahr besonders hoch. Kinderzimmer sollten daher so eingerichtet sein, dass die Kleinen sich nicht verletzen. Wir haben daher einige Sicherheits-Tipps für Eltern.

Die Einrichtung eines Kinder- und Spielzimmers ist eine wunderschöne Sache und bereitet den Eltern viel Freude. Aber nicht nur Optik und Ästhetik sind wichtig. Egal, ob die Kleinen die Welt noch krabbelnd erkunden oder bereits tobend rumflitzen: Sicherheitsaspekte sind beim Planen und Einrichten eines Kinderzimmers besonders zu berücksichtigen.

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Mit dem Älterwerden des Nachwuchses hat das Kinder- und Spielzimmer eine Aktualisierung nötig – die Kindermöbel werden mit den Kleinen groß. Da ist es entscheidend „up to date“ zu bleiben, denn ein Kinderzimmer-Upgrade muss sich den Entwicklungsfortschritten des Kindes anpassen. Das Gleiche gilt für die Sicherheit. Besonders in den ersten Lebensjahren muss die Sicherheit im Kinderzimmer beachtet werden, denn die Verletzungsgefahr ist in dieser Zeit erheblich höher. Vor allem in ihrem ersten Lebensjahr verunglücken Kinder oft in der häuslichen Umgebung.

Das bestätigt auch das Robert Koch-Institut, das im Rahmen eines umfangreichen Monitorings im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit zur Prävention von Kinderunfällen regelmäßig Daten zur Gesundheit und Unfällen von Kindern und Jugendlichen erhebt.

Die Kernaussagen der Studie für die Sicherheit im Kinderzimmer:

Bei mehr als der Hälfte der Unfälle war ein Gegenstand oder Produkt beteiligt.

Mit zunehmendem Alter verändern sich die unfallrelevanten Gegenstände.

Die involvierten Gegenstände spiegeln die typischen Aufenthaltsorte und Tätigkeitsbereiche der jeweiligen Altersgruppe wider.

Bei Unfallverletzungen von Kleinkindern sind in erster Linie Möbel beteiligt, vor allem Schlaf- und Sitzmöbel.

Ab dem Schulalter werden Gegenstände aus dem Sport- und Freizeitbereich am häufigsten genannt.

Außerdem zeigt die Studie, dass bei den Gegenständen und oder Produkten, die zu Verletzungen oder Unfällen führten Sportausrüstung und Freizeitgeräte mit 22 Prozent am häufigsten genannt wurden, vor Fahrzeugen mit 19 Prozent und Haus-/ Wohnungsausstattung mit 18 Prozent.

Die Kinderunfälle im häuslichen Bereich haben dabei meist dieselben Unfallursachen: Stürze, Verletzung durch spitzen Gegenstände, einklemmen oder einquetschen.

Eltern stehen in der Verantwortung, dass ihren Kleinen kein Leid geschieht – vor allem im Kinderzimmer müssen Vorkehrungen getroffen werden. Kinderzimmer sind Spielzimmer. Die Einrichtung muss daher den altersgemäßen Anforderungen gerecht werden, um sicher zu sein.

In jedem Haushalt gibt es unzählige Gefahrenquellen, die einem als Erwachsener auf den ersten Blick gar nicht in den Sinn kommen – das Kinderzimmer ist da keine Ausnahme. Aber Risiken können vermieden werden. Daher steht die Suche nach Gefahrenquellen im Vordergrund.

Gefahrenquellen suchen

Strom und Feuer gehören zu den größten Gefahrenquellen. Aber auch weniger offensichtliche Risikofaktoren gefährden die Gesundheit von Kindern oder erhöhen die Unfallgefahr. Neben dem erwähnten Mobiliar kommen Schadstoffe im Zimmer hinzu. Sie verbergen sich in Fußböden, Wänden, Fenstern und Türen. Sogar Bettwäsche und Spielzeug können Schadstoffe enthalten.

Steckdosen sichern: Kindersicherung

Strom ist lebensgefährlich. Meist krabbeln Kinder zielsicher zu Steckdosen hin, sobald sie in der Lage dazu sind. Was für die gesamte Wohnung gilt, gilt im Kinderzimmer im Besonderen – die Steckdosen müssen kindersicher sein. Wenn fest installierte Anschlüsse keine Schutzvorrichtung haben, kann dies mit speziellen Modifikationen nachträglich gemacht werden. Kindersicherungen für Steckdosen sind in jedem gut sortierten Baumarkt zu finden.

Kindersicherungen an Steckdosen

Kindersicherungen an Steckdosen sind ein „Muss“.

Tipp: Nachträglich montierte Kindersicherungen sind aber nicht immer TÜV-geprüft. Geeigneter sind werkseitig mit Kindersicherungen ausgerüstete und geprüfte Steckdosen. Grundsätzlich gilt: Immer auf die TÜV-Zertifikation und Prüfsiegel achten.

Mehrfachstecker haben im Kinderzimmer nichts zu suchen. Lose Kabel liegen am besten außerhalb der Reichweite von Kindern. Kabel von elektrischen Geräten sollten nicht herunterhängen. Leuchten sind am besten so montiert, dass Kinder sich nicht an ihnen verbrennen können.

Brandschutz

Brandschutzvorkehrungen gehören als fester Bestandteil in ein Haus. Ein Beispiel: Sehr oft kommt es vor, dass Kinder die Nachttischlampe unter die Bettdecke nehmen und „Höhle“ spielen. Durch die Hitze der Lampe können sich Decken und Matratzen entzünden.

Rauchmelder gehören nur ins Haus – ganz besonders ins Kinderzimmer. Was die wenigsten wissen, in einigen deutschen Bundesländern ist es mittlerweile Pflicht, dass in Schlaf- und Kinderzimmern ein Rauchmelder installiert wird. Immer mehr Landesbauordnungen schreiben Rauchwarnmelder vor, nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei bestehenden Gebäuden.

Möbel sicher machen: Keine spitzen Ecken und Standfestigkeit

Ein großer Gefahrenherd sind die Möbel. Ihr Problem sind die Ecken und Kanten. Sie sollten bei allen Möbeln im Kinderzimmer abgerundet sein. Bei den meisten für das Kinderzimmer konzipierten Möbeln ist das schon ab Werk der Fall. Anderenfalls gibt es Kunststoffaufsätze zum Abrunden der Ecken und Kanten. Sobald der Nachwuchs größer ist, kann der Schutz entfernt werden.

Schubladen sollten mit Kindersicherung versehen sein, damit die Kinder nicht ihre kleinen Finger einklemmen können – Stichwort: Auszugssicherung.

Ein Problem ist die Stabilität der Möbel. Kinder krabbeln nicht nur. Wenn sie größer werden, klettern sie gerne, und das mit Vorliebe auf Einrichtungsgegenstände – von Regalen bis Stühlen, bin hin zu Kommoden. Die Gefahr besteht im Umkippen der Möbel, wodurch die Kinder verletzt oder unter darunter begraben werden könnten.

Große Möbelstücke – zum Beispiel Kleiderschränke – sollten möglichst fest mit der Wand verschraubt sein. Zudem sollten die Möbel möglichst stabil sein.

Gefahrenherde: Wickeltisch, Laufstall & Co.

Für die ganz Kleinen können Wickeltisch, Hochstuhl, Gitterbett und Laufstall zu Unfallquellen werden.

Wickeltisch

Was leider sehr oft passiert – ein Sturz vom Wickeltisch. Das ist einer der häufigsten Unfälle in Haushalten mit Säuglingen. Daher sind Barrieren sehr wichtig – links, rechts und an der Rückseite des Wickeltischs.

Ein weiterer wichtiger Punkt hier: Der Tisch sollte keine ablösbaren Teile haben, die verschluckt werden könnten.

Zudem muss Baby auf dem Wickeltisch ständig beobachtet werden. Daher sollte der Tisch so positioniert sein, dass alle zum Wickeln benötigten Gegenstände leicht erreichbar sind – ohne das Kleinkind aus den Augen zu verlieren.

Wickelkommode

Wickelkommoden bilden eine Gefahrenquelle.

Hochstuhl

Am besten ist ein Hochstuhl, der stabil und kippsicher ist. Hier sind schräg nach außen gestellte Beine empfehlenswert. Ein Baby sollte zudem nicht unbeaufsichtigt im Hochstuhl sitzen. Gute Hochstühle verfügen über Sicherheitsgurte.

Gitterbett

Hier ist darauf zu achten, dass die einzelnen Stangen so nah aneinander angebracht sind, dass ein Baby seinen Kopf nicht durchstecken kann und sich verletzt. Pi mal Daumen sollte der Abstand sechs Zentimeter nicht überschreiten. Auf keinen Fall sollten Stangen überstehen. Dadurch könnten sich Kordeln von der Kleidung verfangen und die Strangulationsgefahr erhöhen. Das Selbe gilt für den Lauftstall.

Tipp: Von Vorteil ist es, wenn die Liegefläche des Gitterbetts höhenverstellbar ist. Sobald das Kind laufen kann, ist es imstande, über das Gitter zu klettern. Eine höhenverstellbare Liegefläche wirkt dem entgegen.

Kind spielt mit Bauklötzen

Schadstoffe auf dem Fußboden können Allergien auslösen.

Schadstoffe im Zimmer

Leider denken viele Eltern nicht an mögliche Schadstoffe im Kinderzimmer. So ist bei den Möbeln ist nicht nur auf den mechanischen Aufbau zu achten, sondern auch auf die Verbundstoffe, mit denen sie verarbeitet sind. Hier liegt das Augenmerk auf den Gütesiegel-Kennzeichnungen für die Produkte.

Da Kinder gerne auf dem Fußboden spielen, sollte dieser nicht nur gepflegt und sauber sein. Für Teppichböden, Laminate und Parkette gibt es aussagekräftige Gütesiegel. Apropos Boden: Falten in Teppichböden sind ideale Stolperfallen.

Tipp: Tapeten, Farben und Lacke mit dem Blauen Engel als Gütesiegel sind schadstoffarm und werden umweltfreundlich produziert. Die Gesundheitsrisiken durch Formaldehyd, Schwermetalle und einige andere Schadstoffe werden dadurch auf ein Minimum reduziert.

Türen und Fenster

Bei den Fenstern ist darauf zu achten, dass Kinder sie nicht alleine öffnen können, damit der schlimmste Fall nicht eintritt: ein Fenstersturz. Ähnlich wie bei den Schubladen kann man hier eine Kindersicherung aus Kunststoff anbringen. Sie sorgt nicht nur dafür, dass man ein Fenster nur wenige Zentimeter öffnen kann, sondern verhindert auch, dass sich der Sprössling die Finger einklemmt. Das abrupte Zuschlagen des Fensters wird ebenso unmöglich.

Abschließbare Fenster sind immer eine gute Sicherheitsmaßnahme – auch solange das Kind noch nicht groß genug ist, um an die Fenster heranzukommen.

Bei den Türen sollte ein Fingerklemmschutz installiert werden. Optional reicht auch ein Türstopper aus.

Bettwäsche und Matratzen

Auch beim Thema Schlafen und Bettwäsche spielt der Aspekt der Sicherheit eine wichtige Rolle. Um eine Blockade der Atemwege zu vermeiden, sollte eine Matratze nicht so weich sein, dass ein Säugling darin versinkt.

Bei den Bettbezügen sollten Reißverschlüsse den Vorzug vor Knöpfen erhalten. Knöpfe können leicht abgelöst und verschluckt werden.

Die Bettwäsche darf auf keinen Fall die Atmung des Kindes beeinträchtigen.
Hochbetten bieten sich an sobald das Kind etwas größer ist oder zwei Kinder im selben Zimmer übernachten. Bei Kindern sind diese Modelle sehr beliebt. Aber, Kinder unter sechs Jahren sollten nicht im oberen Bett schlafen, weil sie dafür in der Regel zu klein sind.

Fazit:


Das Kinderzimmer sicher machen

  • Unfälle mit Kindern zu Hause stehen meist in Verbindung mit einem Gegenstand
  • Eltern sollten Gefahrenherde gezielt aufspüren und eindämmen
  • Steckdosen unzugänglich machen
  • Schadstoffe minimieren
  • Brandschutz-Vorkehrungen treffen
  • Reißverschluss statt Knöpfe bei der Bettwäsche

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