Ein Gastbeitrag von Dr. Benjamin Krick, Passivhaus Institut

Mehr als ein Drittel der in Deutschland verbrauchten Energie fließt in den Betrieb von Gebäuden. Ein großer Teil davon ließe sich problemlos einsparen. Die seit vielen Jahren bewährte Lösung: das Passivhaus.

Das weltweit erste Effizienzhaus dieser Art wurde 1991 in Darmstadt gebaut. Seitdem hat der Prototyp zehntausende Nachahmer gefunden. Die Erfahrung zeigt, dass die leicht höhere Anfangsinvestition durch minimale Heizkosten schnell ausgeglichen ist – und das bei deutlich höherem Wohnkomfort. Nebenbei leistet jeder Bewohner eines Passivhauses einen maßgeblichen Beitrag zu einer nachhaltigen Energieversorgung.

So funktioniert das Passivhaus

Das weltweit erste Passivhaus steht in Darmstadt.

Was bedeutet Nachhaltigkeit im Gebäudebereich? Aus Rücksicht auf Umwelt und Klimaschutz sollten möglichst erneuerbare Energiequellen genutzt werden. Diese stehen zum Teil aber nur begrenzt zur Verfügung: Die Sonne scheint vor allem im Sommer, wenn der Verbrauch an Energie am geringsten ist, der Wind weht am stärksten an Orten, die weit von den Konsumenten in den Städten entfernt liegen. Der Schlüssel ist daher die Verbesserung der Effizienz.

So funktioniert das Passivhaus

Ein modernes Einfamilienhaus im Passivhausstandard.

Mit dem Passivhaus ist gegenüber dem Gebäudebestand eine Energieeinsparung von mehr als 90 Prozent möglich. Auf zwei Grundprinzipien kommt es dabei an: Wärmeverluste vermeiden und Wärmegewinnung optimieren. Eine Hülle aus hoch wirksamer Wärmedämmung an Außenwänden, Dach und Bodenplatte sowie dreifachverglaste Fenster schützen das Haus wie ein warmer Pullover. Eine spezielle Lüftungsanlage rettet die Wärme aus der verbrauchten Abluft an die von außen kommende Frischluft. Den größten Teil des Restheizbedarfs decken die Abwärme von Geräten und Personen sowie die Sonneneinstrahlung durch die Fenster. Eine „aktive“ Beheizung ist damit kaum noch nötig.

So funktioniert das Passivhaus

Das Passivhaus-Prinzip am Querschnitt eines Gebäudes erklärt.

Wenn das Ziel eine nachhaltige Versorgung ist, sollte auch der geringe Restbedarf an Energie aus erneuerbaren Quellen stammen. Für die Gewinnung am Gebäude selbst bieten sich etwa Solaranlagen auf dem Hausdach oder an den Fassaden an. Um für Bauherren auch bei der Kombination aus Effizienz und erneuerbaren Energien eine verlässliche Orientierung zu bieten, hat das Passivhaus Institut im Jahr 2015 neue Zertifizierungsklassen eingeführt.

So funktioniert das Passivhaus

Mit trendigem Pultdach: ein Passivhaus in Westerstede.

Der Heizwärmebedarf eines Passivhauses darf 15 kWh/(m²a) nicht überschreiten. Das gilt auch weiterhin. Anstelle des Primärenergiebedarfs tritt mit der Einführung der neuen Klassen aber der Gesamtbedarf an „Erneuerbarer Primärenergie“. Bei einem Passivhaus Classic liegt dieser Wert bei maximal 60 kWh/(m²a). Ein Passivhaus Plus ist effizienter: Es darf nicht mehr als 45 kWh/(m²a) erneuerbare Primärenergie benötigen. Zudem muss es – bezogen auf die überbaute Fläche – mindestens 60 kWh/(m²a) Energie erzeugen. Beim Passivhaus Premium ist der Energiebedarf sogar auf 30 kWh/(m²a) begrenzt, die Energieerzeugung muss mindestens 120 kWh/(m²a) betragen.

Staatliche Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

Der Bau eines Passivhauses oder die Sanierung eines bestehenden Gebäudes im Passivhaus-Standard ist nicht nur umweltfreundlich, sondern immer auch eine attraktive Investition. Um den Mehraufwand für die bessere Qualität aufzufangen, gibt es verschiedene Möglichkeiten einer staatlichen Förderung, insbesondere durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Darüber hinaus gibt es zahlreiche regionale Förderprogramme. Eine Übersicht der verschiedenen Optionen bietet die Informations-Gemeinschaft Passivhaus.

Wer aus erster Hand erfahren möchte, wie das Passivhaus-Prinzip funktioniert, hat dazu einmal im Jahr bei den bundesweiten und internationalen Tagen des Passivhauses die Chance. Eine gute Übersicht über den Stand der Entwicklung im Bereich der PassivhausTechnik bietet jährlich im April auch die Internationale Passivhaustagung, die 2016 in Darmstadt stattfindet. Neben einem Vortragsprogramm gibt es dort auch eine für alle Besucher kostenlose Fachausstellung. Zukünftige Bauherren können sich bei den „Tagen des Passivhauses“ vom 13. Bis 15. November 2015 in Darmstadt ausführlich informieren. Näheres dazu erfahren Sie bei der IG Passivhaus.


Weiterführende Informationen:


Das Passivhaus Institut

Das Passivhaus Institut (PHI) wurde 1990 gegründet und ist ein unabhängiges Forschungsinstitut unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Feist. Das Ziel ist die Förderung und Verbreitung eines energieffizienten Bewussteins bei Sanierungen und Neubauten jeglicher Art. Das Institut besetzt eine internationale Spitzenposition in der Forschung und der Entwicklung von Baukonzepten, Baukomponenten, Planungswerkzeugen und in der Validierung bei besonders energieeffzienten Gebäuden.

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