Bodenklassen

Was sind Bodenklassen? Bodenklassen für den Hausbau beziehungsweise Erdarbeiten galt es seit jeher zu ermitteln. Beschrieben diese doch die Bodenbeschaffenheit, anhand derer sich Erdbauarbeiten fachmännisch planen ließen. Und variierten doch deren Preise bei den verschiedenen Bodenklassen teils erheblich. Genauer gesagt erfolgte die Einteilung in Boden- und Felsklassen, die durch die Homogenbereiche abgelöst wurden. Die Änderung soll die Leistungsbeschreibung im Hausbau sowie anderen Bereichen des Baugewerbes für Kalkulation, Planung und Ausführung verbessern. Eine korrekte Klassifizierung ist nach wie vor wichtig. Wie schon die Bodenklasse ermitteln Sachverständige für Geotechnik den Homogenbereich. Das von ihnen erstellte Baugrundgutachten vermeidet Fehlplanungen: Mitunter lässt es bei einem Einfamilienhaus auf Bodenplatte bis zu 3.000 Euro sparen, bei einem Haus mit Keller mehr.

Aus Bodenklassen werden Homogenbereiche

Welche Bodenklassen gibt es? Im Bereich Erdarbeiten für den Hausbau stellten bisher 7 Bodenklassen – explizit 5 Boden- und 2 Felsklassen – die Richtwerte zur Auswahl der geeigneten Bautechnologien dar. Bis zu deren Überarbeitung im Jahr 2015 waren diese in der VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C : Allgemeine Technische Vertragsbedingungen (ATV) benannt. Die VOB Teil C beinhaltet schwerpunktmäßig ein Regelwerk technischer Vorschriften zur Leistungsausführung in den einzelnen Gewerken, darunter die Gründung von Gebäuden. Diese sind gleichzeitig als Normen formuliert.

Die fachmännische Bauausführung erfordert vorab eine Klärung der vorhandenen Baugrundverhältnisse per Baugrundgutachten oder einer Baugrundbeschreibung. Diese hatten bis zur Neufassung der VOB Boden- und Felsklassen in je nach Gewerk nach Anzahl und Art unterschiedlicher Definition zum Inhalt. Am bekanntesten sind die 7 Bodenklassen nach DIN 18300, auf deren Basis das ausführende Hausbauunternehmen die Erdarbeiten für den Hausbau inklusive des Einsatzes von Baugeräten und Baumaschinen sowie der daraus resultierenden Kostenkalkulation planen konnte.

Für Bohrarbeiten, Nassbaggerarbeiten, Vortriebsarbeiten und andere Gewerke indes waren eigene Bodenklassen-Systeme in Verwendung. Des Weiteren bestimmten Bodenklassen den maximal zulässigen Böschungswinkel, bis zu dem keine zusätzlichen Maßnahmen zur Sicherung der Baugrube notwendig waren.

Seit der Veröffentlichung des VOB-Ergänzungsbandes 2015 im Juli 2017 werden diese Parameter anhand der vorhandenen Homogenbereiche bestimmt. Für diese werden je nach Gewerk unterschiedliche Kennwerte wie Kornverteilung, Dichte, Konsistenz oder Wassergehalt erhoben.

Einteilung der Bodenklassen

Die Klassifikation der Bodenklassen nach der alten DIN 18300 als Bestandteil der VOB beurteilte die Gewinnbarkeit von Gesteinen bei Erdarbeiten. Sie betraf ausschließlich das Lösen, Laden, Fördern, Einbauen und Verdichten insbesondere von Lockergesteinen. Entsprechend dem Widerstand, den diese der Gewinnung entgegensetzten, wurden sie in die Bodenklassen 1 bis 7 eingeteilt.

Übersicht Bodenklassen nach der alten DIN 18300 VOB/C “Erdarbeiten“, Ausgabe 2016-09:

  • Bodenklasse 1: Oberboden bzw. Mutterboden – bildet die oberste Schicht des Bodens, in der neben anorganischen Stoffen und Humus auch zahlreiche Bodenlebewesen vorhanden sind.
  • Bodenklasse 2: fließende Bodenarten bzw. Schöpfboden – sind von flüssiger bis zähflüssiger Konsistenz und geben das Wasser schlecht ab.
  • Bodenklasse 3: leicht lösbare Böden – bestehen aus nichtbindigem bis schwachbindigem Sand oder Kies. Oder einem Sand-Kies-Gemisch, dem bis zu 15 Gewichtsprozent Schluff und Ton sowie maximal 30 Gew.-% Steine in Korngrößen über 63 mm mit einem Rauminhalt von bis zu 0,01 m³ beigemischt sein können. Organische Böden besserer als breiiger Beschaffenheit sowie Torfe.
  • Bodenklasse 4: mittelschwer lösbare Bodenarten – Sand-Kies-Schluff-Ton-Gemische mit einem Anteil von über 15 Gew.-% sowie bindige Böden weicher bis mittlerer Plastizität mit maximal 30 Gew.-% Steinen von einer Korngröße über 63 mm sowie einem Rauminhalt bis 0,01 m³.
  • Bodenklasse 5: schwer lösbare Böden – Bodenarten gemäß Bodenklassen 3 und 4, die jedoch mehr als 30 Gew.-% Steine mit einer Korngröße von über 63 mm und einem Rauminhalt von bis zu 0,01 m³ enthalten; ebenfalls nichtbindige und bindige Böden mit maximal 30 Gew.-% Steinen von einem Rauminhalt über 0,01 m³ bis 0,1 m³ sowie ausdefiniert plastische Tone von einer entsprechend ihrem Wassergehalt weichen bis festen Konsistenz.
  • Bodenklasse 6: Leicht lösbare Felsenarten – Felsen mit einem inneren mineralischen Zusammenhalt, die sich jedoch als sehr klüftig, schiefrig, brüchig, bröckelig, verwittert oder weich erweisen; ebenso ähnliche verfestigte bindige und nichtbindige Bodenvarianten, wie sie etwa durch Austrocknung, Frost oder chemische Bindung entstehen; nichtbindige und bindige Böden, die über 30 Gew.-% Steine mit einem Rauminhalt von über 0,01 m³ bis 0,1 m³ enthalten.
  • Bodenklasse 7: schwer lösbare Felsenarten – Fels, der durch einen inneren mineralisch gebundenen Zusammenhalt sowie eine hohe Gefügigkeit gekennzeichnet und kaum klüftig oder verwittert ist; ausgelagerter, unverwitterter Tonschiefer, Schlackenhalden, Hüttenwerke, Nagelfluhschichten etc.

Gibt es keine Bodenklassen mehr?

Die über Jahrzehnte gebräuchlichen Bodenklassen wurden mit der Herausgabe der Neuauflage der VOB/C 2015 gänzlich abgeschafft und durch Homogenbereiche ersetzt. Für jeden, der Boden oder Fels im Zuge von Baumaßnahmen in irgendeiner Form bearbeitet, gilt somit Folgendes:

„Boden und Fels sind entsprechend ihrem Zustand vor dem Lösen in Homogenbereiche einzuteilen. Der Homogenbereich ist ein begrenzter Bereich, bestehend aus einzelnen oder mehreren Boden- oder Felsschichten, der für eingesetzte Erdbaugeräte vergleichbare Eigenschaften aufweist. Sind umweltrelevante Stoffe zu beachten, so sind diese bei der Einteilung in Homogenbereiche zu berücksichtigen.“

(Erdarbeiten nach DIN 18300:2015-08)

Die Zuordnung von beispielsweise Boden zu bestimmten Homogenbereichen erfolgt gemäß der neuen VOB/C DIN 18300 Ausgabe 2015-08 nun anhand der folgenden vorgeschriebenen Eigenschaften und Kennwerte. Diese sind in ihrer ermittelten Bandbreite anzugeben:

  • Ortsübliche Bezeichnung
  • Bodengruppen nach DIN 18196
  • Kornverteilung inkl. Körnungsbänder u. Kornkennziffer
  • Massenanteil an Steinen, Blöcken sowie großen Blöcken
  • Dichte
  • Lagerungsdichte
  • Konsistenzzahl
  • Organische Zusammensetzung
  • Scherfestigkeit, undrainiert
  • Wasseranteil
  • Plastizitätszahl

Warum die Änderung in Homogenbereiche?

In ihren Grundzügen ist die Beschreibung des Baugrunds seit Jahrzehnten gleich geblieben. Zuerst übertrugen Experten im Bereich Erdbau die unterschiedlichen Anforderungen an Bagger den Bodenarten entsprechend in Bodenklassen. Nach und nach entwickelten auch andere Gewerke (u.a. Nassbaggerarbeiten, Bohrarbeiten, Rohrvortriebsarbeiten) entlang ihrer spezifischen Gegebenheiten eigene Bodenklassen.

Die nachfolgende Tabelle verschafft einen groben Eindruck von der daraus entstandenen Unübersichtlichkeit:

DIN-Norm Gewerk Anzahl der
Boden Fels
Klasse Zusatzklasse Klasse Zusatzklasse
18300 Erdarbeiten 5 0 2 0
18301 Bohrarbeiten 8 4 6 5
18311 Nassbaggerarbeiten 9 3 2 0
18319 Rohrvortriebsarbeiten 15 6 8 0
18312 Untertagebauarbeiten maximal 7 Vortriebsklassen

(Gegenüberstellung der Anzahl der Boden- und Felsklassen für beispielhafte Gewerke nach den ATV Normen, Stand September 2012)

Um für die Baugrundbeschreibung wieder einheitliche Standards einzuführen, haben die Normengeber die Bodenklasse durch den Homogenbereich ersetzt. Homogenbereiche haben zudem den Vorteil, dass sie den Boden umfänglicher beschreiben als Bodenklassen und dadurch eine noch explizitere Planung der Bauarbeiten und ihrer Preise ermöglichen.

Anwendung der Homogenbereiche

Ausgangspunkt bleibt der Geotechnische Bericht, der auch bereits für die Einteilung in Bodenklassen herangezogen wurde. Dieser muss eine hinreichend genaue Beschreibung der einzelnen Bodenschichten enthalten, die durch bodentechnische Laborversuche und/oder Erfahrungswerte zu hinterlegen ist. Von Grund- oder Schichtwasser herrührende Einflüsse auf den Boden müssen ebenfalls festgehalten werden.

Neu ist bei der Bildung der Homogenbereiche im Vergleich zu den Bodenklassen, dass der Chemismus des Bodens zu berücksichtigen ist. Dies ist dem immer öfteren Hausbau auf ehemaligen Gewerbeflächen mit Kontaminationen geschuldet sowie auch der zunehmenden Verschärfung der Regeln zur Verwertung und Entsorgung von Erdaushub.

Neu ist außerdem, dass der gleiche Boden jetzt aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Gewerke in Homogenbereiche unterteilt werden kann. Die Zusammenfassung einzelner Schichten in einen Homogenbereich (etwa bei Erdarbeiten) kann dabei vorkommen.

Um für eine präzise Hausbau-Planung genau definierte Angaben zu den Homogenbereichen zu gewinnen, müssen dem Sachverständigen Details über den geplanten Bau wie auch die dafür erforderlichen Gewerke vorab bekannt sein und der Umfang der angezeigten bodenmechanischen Laborversuche frühzeitig mit ihm abgestimmt werden. Insgesamt erfordert die Klassifizierung eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausbauunternehmen und Baugrundgutachter.

Nachfolgende Tabelle veranschaulicht am fiktiven Beispiel Erdarbeiten und Bohrarbeiten mit 4-Schicht-System wie sich die Anwendung der Homogenbereiche im Vergleich zu den Bodenklassen auswirken kann:

Klassifizierung ALT versus NEU
Boden oder Fels DIN 18300 ALT Bodenklassen Erdarbeiten DIN 18300 NEU Homogenbereiche Erdarbeiten DIN 18301 NEU Homogenbereiche Bohrarbeiten
Schicht 1 Bodenklasse X Homogenbereich E1 für Erdarbeiten Homogenbereich B1 für Bohrarbeiten
Schicht 2 Bodenklasse Y Homogenbereich E1 für Erdarbeiten Homogenbereich B2 für Bohrarbeiten
Schicht 3 Bodenklasse Y Homogenbereich E1 für Erdarbeiten Homogenbereich B2 für Bohrarbeiten
Schicht 4 Bodenklasse Z Homogenbereich E2 für Erdarbeiten Homogenbereich B3 für Bohrarbeiten

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