Dachstuhl

Dachstuhl, was ist das? Per exakter Definition ist ein Dachstuhl Teil des, aus mehreren Bestandteilen bestehenden, Dachwerks. Darin bildet der Dachstuhl eine Unterkonstruktion unterhalb der Sparrenlage, die der Aussteifung des Daches dient und stützende Funktion für die Dachsparren oder Kehlbalken übernimmt. Aus dem jeweiligen Dachstuhl-Aufbau ergibt sich seine Eignung für bestimmte Dachkonstruktionen. In Deutschland wird hauptsächlich zwischen den Dachstuhlarten Sparrendachstuhl, Pfettendachstuhl und Kehlbalkendachstuhl unterschieden.

Was gehört alles zum Dachstuhl?

Den Dachstuhl-Aufbau beim Richtfest noch ohne Dacheindeckung betrachten – dazu hatten bereits viele Menschen Gelegenheit. Die meisten halten Dachstuhl und Dachkonstruktion dabei für einen identischen Begriff, zumal die Umgangssprache beide Begrifflichkeiten verschwimmen lässt. Dies trifft aber so nicht immer zu. Um die Dachstuhl Bestandteile zu orten, gilt es vielmehr den gesamten Dachaufbau nachzuvollziehen:

  • Auf das Haus kommt der Dachstuhl
  • Auf dem Dachstuhl werden die Sparren aufgebracht
  • Und auf den Sparren die Bedachung

Erklärerisch ist in dem Zusammenhang auch die Wortherkunft des Wortbestandteils „Stuhl“. Im Deutschen bereits im 16. Jahrhundert belegt, bezeichnet dieser ein „Gestell“, auf dem etwas anderes ruht.

Dachkonstruktionen wie Satteldach, Walmdach oder Krüppelwalmdach bilden die Form eines Daches aus. Faktisch können nur wenige Dachstuhlarten der jeweiligen Dachkonstruktion folgend konstruiert und gebaut werden. Darüber hinaus können bei der Dachstuhl Planung gegebenenfalls Kombinationen verschiedener Dachstuhlkonstruktionen in Betracht gezogen werden.

Dachstuhlarten

Bei Wohngebäuden besteht der Dachstuhl zumeist aus Holz, bei größeren Gebäuden kann er auch aus Traggliedern aus Stahlbeton oder Eisen gefertigt sein. Im deutschsprachigen Raum herrschen vor allem drei Dachstuhlarten vor:

Tragfähigkeit

Die einzelnen Stuhlarten weisen unterschiedliche Vor- und Nachteile auf. Welcher Dachstuhl für einen Neubau in Frage kommt, hängt also von vielen Faktoren ab. Ein Dachstock muss dabei mehreren Anforderungen gerecht werden:

  • Das Dachstuhl Gebälk muss sich selbst tragen
  • Es muss die Sparren tragen
  • Es muss die Dacheindeckung tragen
  • Auch muss der Dachstuhl Kräfte wie Schnee- und Windlast absorbieren
  • Der Dachstuhl Innenausbau kann nur erfolgen, wenn die Dachstuhlkonstruktion auch die Schalung tragen kann

Bezeichnungen beim Dachstuhl

Für die Bestandteile einer hölzernen Stuhlkonstruktion in einem Dachtragwerk gibt es verschiedene Begriffe: So heißen die Stützen respektive Stiele auch Stuhlsäulen oder Stuhlpfosten. In Reihung ergeben diese gemeinsam mit Rähmen, Streben und Schwellen den parallel zum First verlaufenden Längsverband der Stuhlwand. Ein anderer Name für die zur Lastverteilung unter den Stuhlpfosten verlaufende Schwelle ist Stuhlschwelle.

Man unterscheidet zwischen Dachstuhl Varianten wie „stehender Stuhl“ und „liegender Stuhl“ sowie „Hängewerk“ und „Sprengwerk“, die in einfacher oder doppelter Ausführung sowie in Kombination mit Sparrendach, Pfettendach oder Kehlbalkendach vorkommen.

Stehender Stuhl

Ein stehender Stuhl enthält lotrechte Pfosten, die Stuhlsäulen. Sind diese auf einer Linie unterhalb der Firstpfette aufgereiht, handelt es sich um einen einfach stehenden Stuhl. Bei zweireihiger Aufstellung um einen doppelt stehenden Stuhl. Kombinierte Stuhlkonstruktionen werden auch mehrfach stehender Stuhl genannt, Aneinanderreihungen von Pfosten Stuhlwand.

Meist verbinden sich Pfosten und Pfetten zu einem Kopfverband, was die Dachstuhlmontage erleichtert und zusammen mit den Windrispen die Längsaussteifung des Daches bewirkt.

Liegender Stuhl

Der liegende Stuhl verfügt über schräg geneigte Stuhlsäulen, die sich oben am Spannriegel abstützen. In der Regel fußen sie auf dem Deckenbalken nah über der Außenwand oder einer anderen tragenden Hauswand.

Diese liegende Anordnung kann optimal bei einer größeren Dachstuhl Dimensionierung – zum Beispiel für einen Sichtdachstuhl – angewendet werden. Da sie ohne Stützen auskommt, sorgt sie für eine bessere Nutzbarkeit des Dachraumes. Der liegende Dachstuhl trägt seine Lasten auf den Rand der darunter angeordneten Deckenbalken in der Nähe des Auflagers ab, nicht auf ihre Feldmitte. Das Biegemoment wird so reduziert. Der liegende Stuhl ist insbesondere bei einer offen, stützenfreien Bauweise im Geschoss unterhalb der Balkenlage gefragt. Ein Anwendungsbeispiel hierfür ist das Mittelschiff einer Kirche.

Hängewerk

Ein Hängewerk belastet einen auf Hängepfosten aufgehängten Bund- oder Binderbalken. Die Hängepfosten tragen die Zugkräfte als Druckkraft auf die Streben ab, beim doppelten Hängewerk auf Spannriegel und Streben. Von den Streben wiederum wird sie in den Bundbalken respektive das Auflager abgeleitet.

Sprengwerk

Anders als das Hängewerk benötigt das Sprengwerk keine Hängepfosten, es überträgt die Druckkräfte der Streben unter dem waagerechten Balken unmittelbar in die Auflager. Gleichsam verhält es sich bei der Kombination Hänge-Sprengwerk, das seine Streben jedoch teils unterhalb und teils oberhalb des Bundbalkens anordnet. Ebenso wie beim Hängewerk lässt sich dieser somit an einem Hängepfosten aufhängen.

Sparrendachstuhl

Der Sparrendachstuhl ist die klassische Dachstuhlvariante Nordeuropas. Sparrendächer kommen ohne Stiele aus. Die gesamte Last leiten sie nach außen auf den Ringbalken oder Kniestock ab. Viel Gestaltungsfreiheit ergibt sich daher für den Grundriss der tragenden Innenmauern. Ein Sparrendach ist für einen Satteldach Dachstuhl mit einem Neigungswinkel von 30 Grad und mehr prädestiniert. Da ohne störende Stützbalken ausgeführt, lässt er die Fläche im Innenraum optimal nutzen. An den Kehlbalken kann eine Innenverkleidung – beispielsweise in Form von Gipskartonplatten – befestigt werden.

Wird der Dachstuhl auf einen Kniestock (Drempel) aufgesetzt, muss dieser fachmännisch errichtet werden, denn hier im Traufbereich wirken große Kräfte. Für einen Winkelbungalow Dachstuhl oder einen anderen abgewinkelten Grundriss ergeben sich dadurch Konstruktionsschwierigkeiten. Da beim Sparrendach die Sparren exakt einander gegenüberliegen müssen, ist der Dachstuhl mit Gauben ebenfalls schwierig realisierbar. Das Gleiche gilt bei dieser Dachstuhlkonstruktion für einen Walmdach Dachstuhl.

Sparrendach Beispiele:

  • Einfaches Sparrendach
  • Sparrendach mit Hahnenbalken oder Kehlbalken

Pfettendachstuhl

Der Pfettendachstuhl hat als eine Weiterentwicklung des römischen Daches seinen Ursprung im Mittelmeerraum. Durch einfach, doppelt oder mehrfach nebeneinander ausgeführte Pfosten erübrigt er einen kompliziert konstruierten Kniestock. Statt dessen wird die Kraft über die Pfosten auf tragende Innenwände abgeführt. Beim Dachstuhl Innenausbau ist es allerdings unmöglich, diese Ständer zu entfernen. Dafür kann ein Pfettendach flacher als ein Sparrendach ausgeführt werden.

Dachstuhl Gauben sind bei diesem Dach nahezu in jeder Größe umsetzbar, denn beide Längsdachstuhlseiten verhalten sich eigenständig und lassen daher die versetzte Anordnung der Sparren zu. Auch ein Walmdach lässt sich mit dieser Dachstuhlkonstruktion problemlos konstruieren.

Pfettendach Beispiele:

  • Einfach stehender Pfettendachstuhl
  • Doppelt stehender Pfettendachstuhl

Kehlbalkendachstuhl

Der Kehlbalkendachstuhl ist eine Weiterentwicklung des Sparrendachstuhls. Zwischen den Sparrenpaaren wird jeweils ein horizontal liegender Balken eingebaut. Ein Kehlbalkendach ist dann die richtige Wahl, wenn die Sparren die Länge von 4,50 Metern übertreffen. Die paarweise Verbindung der Sparren mittels Kehlbalkenriegel ergibt zusätzliche Auflager, die eine Durchbiegung der Sparren unterbinden. Vertikale Stützen im Dachraum sind nicht notwendig. Auf den Kehlriegelanschluss wirken vor allem Druckkräfte aus den Sparren sowie vertikale Querkräfte aus der Auflast des Kehlriegels ein. Daher empfiehlt es sich, den Kehlbalken mittels Knaggen seitlich an den Sparren anzuschließen.

Da hier der Biegemoment am größten ist, befinden sich die Anschlüsse der Kehlbalken im Optimalfall in der Sparrenmitte. Die letztendliche Ausrichtung ist jedoch oftmals eine Frage der gewünschten beziehungsweise notwendigen Höhe eines ausgebauten Dachgeschosses, wobei eine Maximallänge der Sparrenenden gegen den First von 3,50 Metern einzuhalten ist. Bei größerer Dachstuhl Dimensionierung ist die Einbringung eines zweiten zusätzlichen Balkens, des sogenannten Hahnenbalkens, eine Lösung.

Kehlbalkendachstuhl Beispiele:

  • Einfach stehender Kehlbalkendachstuhl
  • Doppelt stehender Kehlbalkendachstuhl
  • Liegender Kehlbalkendachstuhl
  • Doppelt liegender Kehlbalkendachstuhl

Hängewerk und Sprengwerk Beispiele:

  • Einfaches Hängewerk / Sprengwerk
  • Doppeltes Hängewerk / Sprengwerk

Dachstuhl dämmen

Um die Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) zu erfüllen, kommt es außerdem auf die optimale, fachmännisch ausgeführte Dachstuhl-Isolierung an. Je nach der Dachausführung Kaltdach, Warmdach oder Umkehrdach kommt dabei eine Aufsparrendämmung, Zwischensparrendämmung, Untersparrendämmung oder eine Kombination von Dämmarten in Frage.

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