Die wichtigsten Fragen zum Baukindergeld

Das Baukindergeld kommt

für wen lohnt es sich?

Mit der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages zwischen CDU und SPD will die aktuelle „GroKo“ auch das neugeschaffene Baukindergeld endlich auf die Schiene bringen.

In Struktur und Absicht ähnelt diese neue staatliche Förderung sehr der bereits zwischen 1996 und 2005 gewährten „Eigenheimzulage mit Kinderzulage“, die als eine der größten Subventionsprogramme gilt, die in der Bundesrepublik jemals verabschiedet und ausgezahlt wurden. Ein gleichnamiges „Baukindergeld“ gab es von 1987 bis 1995, die maximal ausgezahlte Summe lag damals aber nur bei umgerechnet 512 Euro.

In diesem Ratgeber-Artikel werden verschiedene Aspekte dieser neuen staatlichen Förderung aufgegriffen – aber auch erläutert, für welche Personengruppen sich die Beantragung des Baukindergelds überhaupt lohnt.

Die wichtigsten Fragen zum Baukindergeld

Klären wir aber erst einmal die drängendsten Fragen, die immer wieder im Zusammenhang mit dem neuen Baukindergeld gestellt werden:

Wie hoch ist das Baukindergeld?

Die Verhandlungsführer der Koalitionsarbeitsgruppe „Bauen und Wohnen“ einigten sich auf eine jährliche Förderung von 1.200 Euro pro Kind. Dabei kommt es wohl nicht auf das Alter der Kinder an, sondern darauf, ob die Kriterien zur Gewährung von Kindergeld noch Gültigkeit haben. Somit kommen auch die Eltern bereits volljähriger Kinder, die aber noch im selben Haushalt wohnen, eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren, aller Wahrscheinlichkeit nach in den Genuss des Baukindergelds. Das Höchstalter der berechtigten Kinder sollte dann auch bei 25 Jahren liegen – behinderte Kinder hingegen erhalten unbefristet Kindergeld, wenn die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist.

Anzahl Kinder Pro Jahr In 10 Jahren
1 Kind 1.200€ 12.000€
2 Kinder 2.400€ 24.000€
3 Kinder 3.600€ 36.000€
4 Kinder 4.800€ 48.000€
5 Kinder 6.000€ 60.000€

Wie lange wird das Baukindergeld gewährt?

Die Förderungsdauer des neu geschaffenen Baukindergelds ist pro Antrag auf jeweils zehn Jahre ausgelegt. Somit erhalten Eltern für jedes Kind über den Gewährungszeitraum insgesamt 12.000 Euro. Eine Bindung an die Laufzeit einer Baufinanzierung besteht nach unseren letzten Informationen nicht.

KfW Baukindergeld

Wer ist bezugsberechtigt?

Das Baukindergeld soll Familien mit einem oder mehreren Kindern und mittlerem Einkommen den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen, wenn der frei verfügbare Teil des gemeinsamen Einkommens normalerweise nicht für die Bewilligung einer Baufinanzierung reichen würde. Daher ist die Gewährung auch an ein maximales Bruttoeinkommen der Eltern gekoppelt: Bis zu 75.000 Euro dürfen beide Elternteile zusammen im Jahr verdienen, um überhaupt als bezugsberechtigt zu gelten. Pro Kind kommt dann noch ein jährlicher Freibetrag von 15.000 Euro dazu. Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern kann also damit rechnen, auch bei einem Höchsteinkommen von 105.000 Euro diese neue Bauförderung noch zu erhalten.


Wo beantragt man das Baukindergeld?

Das Baukindergeld wird höchstwahrscheinlich über die KfW – der Kreditanstalt für Wiederaufbau – ausgezahlt werden. Diese staatliche Kreditbank gehört zwar zu den größten Finanzinstituten Deutschlands, besitzt aber keinen einzigen Bankschalter oder Geldautomaten. Die KfW sollte in den Anfangsjahren der Bundesrepublik den Wiederaufbau sicherstellen und finanzieren – kümmert sich aber mittlerweile auch intensiv um die Förderung der energetischen Sanierung und unterstützt im großen Maße die Schaffung barrierefreien Wohnraums. Die zahlreichen Förderprogramme können nicht direkt bei der KfW beantragt, sondern müssen stets über zertifizierte Banken und/oder Baufinanzierer abgewickelt werden. Die Chancen stehen also sehr hoch, dass die erfahrenen Experten der KfW auch die Organisation und Ausschüttung des neuen Baukindergelds übernehmen. Wer gerade eine Baufinanzierung plant oder mit dem Gedanken spielt, neu zu bauen oder eine Bestandsimmobilie zu kaufen, sollte im engen Kontakt mit seinem Baufinanzierungsberater bleiben, um direkt informiert zu werden, sobald das Baukindergeld offiziell beantragt werden kann.

Baukindergled

Ab wann kann das Baukindergeld beantragt werden?

Die Große Koalition ist einhellig der Ansicht, dass die Schaffung von Wohnraum hohe Priorität hat, entsprechend drängen auch Spitzenpolitiker wie Volker Kauder auf eine schnelle Formulierung und Verabschiedung des Gesetzespakets zur Wohnraumoffensive. Der Etat soll noch im Mai 2018 freigegeben, das Gesetz vor der Sommerpause verabschiedet werden. Einen endgültigen und verbindlichen „Starttermin“ gibt es dementsprechend aber noch nicht.


Kann das Baukindergeld auch nachträglich beantragt werden?

Nein. Das Baukindergeld wird Bestandteil eines neuen Gesetzes im Rahmen des Pakets zur Wohnraumoffensive werden, solche Gesetze gelten prinzipiell nicht rückwirkend. Hier lohnt es sich also, mit einer geplanten Baufinanzierung oder dem Kauf einer Bestandsimmobilie noch ein wenig zu warten, wenn alle Kriterien soweit erfüllt sind.


Wie hoch sind die Kosten für das Baukindergeld?

Im ersten Jahr der Ausschüttung rechnet die neue Bundesregierung mit Kosten in Höhe von ca. 440 Millionen Euro, über die Gesamtlaufzeit von 10 Jahren kommen wohl insgesamt 22 Milliarden Euro zusammen, wenn alle Bezugsberechtigten ihren Anspruch geltend machen. Somit toppt das Baukindergeld höchstwahrscheinlich noch die bis 2005 aktive Eigenheimzulage.

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Für wen lohnt sich das Baukindergeld wirklich?

Die wichtigsten Fakten sind somit geklärt, beschäftigen wir uns jetzt mit der Frage, wofür das Baukindergeld aus politischer Sicht gedacht ist – und wer tatsächlich davon profitiert.


Politischer Hintergrund

Das umfangreiche Subventionsprogramm „Eigenheimzulage mit Kinderzulage“ wurde 2005 mit der Begründung eingestellt, dass der Förderzweck mittlerweile erreicht wurde und sich die Wohnraumsituation deutlich entspannt habe. Knapp 13 Jahre nach dieser Entscheidung stellten sich aber die gesellschaftliche und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die damals zur Entwicklung der Förderung geführt haben, sehr ähnlich da. Die Nachfrage nach Wohnraum im Allgemeinen und Immobilieneigentum im Speziellen steigt an. Deutschland hat im Vergleich zu den anderen EU-Ländern auch echten Nachholbedarf: Bei unseren Nachbarn besitzen im Schnitt sieben von zehn Bürgern Wohneigentum, in der Bundesrepublik liegt die Quote bei schlappen 51,4 Prozent. Zum Vergleich: Die Spanier haben eine Eigentumsquote von knapp 78 Prozent, in Kroatien wohnen 90 Prozent aller Einwohner im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung. Dieses Missverhältnis möchte die Politik ausgleichen. Wohneigentum gilt zu Recht als sozialer Stabilitätsfaktor, sichert den Ruhestand oder Lebensabend ab und erhöht nach Ablösung aller Belastungen den verfügbaren Monatsetat der Haushaltsgemeinschaft.

Entsprechend folgerichtig ist daher die aufgestockte und leicht abgewandelte Neuauflage der zu ihrer Zeit durchaus sehr erfolgreichen Eigenheimzulage. Das Baukindergeld steht aber nicht allein „auf der grünen Wiese“, sondern wurde in die „Wohnraumoffensive“ der GroKo eingebunden, die weiterhin eine Unterstützung von Städten und Gemeinden zur Baulandbeschaffung und -erschließung, zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus sowie eine Erhöhung der Grundsteuer für ungenutztes Bau-Areal beinhaltet.

Das Thema „Grundsteuer“ muss von der GroKo angesichts der Entscheidung des Bundesverfassungsgericht eh neu angefasst werden, der soziale Wohnungsbau stand auch bei der Vorgängerregierung relativ weit oben auf der Prioritätenliste. Insofern kann durchaus erwartet werden, dass sich die allgemeine Wohnungssituation in Deutschland auch dank des neuen Baukindergelds im Laufe der nächsten Legislaturperiode wieder entspannen sowie die Eigentumsquote ansteigen wird.

Die Opposition bemängelt, dass sich die Nachfrage nach Bauland und Wohnraum durch die Anreize des Baukindergelds deutlich erhöhen wird und nur Familien gefördert werden, die sich ohnehin – mit einigen Einschränkungen – ein Eigenheim leisten könnten. Andererseits gibt es aber auch wieder Stimmen, die befürchten, dass die Subvention zu Überschuldungen führen könnte.

Baukindergled beim Hausbau

Für wen lohnt sich die Beantragung des Baukindergelds konkret?

Wie bereits erwähnt steigt die Nachfrage nach Bauland und Wohnraum seit einiger Zeit tatsächlich kontinuierlich an – das liegt aber hauptsächlich am vorhandenen Bedarf und nicht an der Aussicht auf eine etwaige staatliche Förderung. Insofern solltet Ihr die immer noch vergleichsweise niedrigen Zinsen umgehend nutzen, wenn feststeht, dass Ihr Anspruch auf das Baukindergeld habt und endlich ein Stichtag für die Beantragung veröffentlicht wird. Finanzexperten glauben, dass sich das Zinsniveau in den nächsten Jahren wieder nach oben bewegen wird. Die zu erwartende Überarbeitung der Grundsteuer wird aller Wahrscheinlichkeit nach in zahlreichen Fällen und Regionen auch den Mietspiegel erhöhen. Diese Entwicklungen verstärken die Erkenntnis, dass monatliche Mietzahlungen nur dem Vermieter, die Zinszahlungen zur Ablösung eines Baukredits aber der eigenen Zukunft nutzen.

Angesichts der „nur“ zehnjährigen Bezugszeit sollte man aber ein paar Punkte bei der Ausgestaltung der Baufinanzierung beachten:

Anschlussfinanzierung klären

Die Anschlussfinanzierung nach Ablauf der ersten Laufzeit sollte man schon jetzt in trockene Tücher bringen. Da das Baukindergeld bereits nach 10 Jahren ausläuft, die meisten Baufinanzierungsverträge aber deutlich länger laufen, ist es ratsam, schon direkt bei der Vertragsunterzeichnung eine Weiterführung zu den aktuell noch vergleichsweise niedrigen Festzinsen zu vereinbaren. Ansonsten gerät man zum Ende der Baukindergeld-Förderung in eine Finanzierungslücke, die schnell unangenehm werden kann.

Konservativ kalkulieren

Um auch bei unvorhergesehenen Ereignissen finanziell nicht direkt mit dem Rücken zur Wand zu stehen, solltet Ihr die monatlich aufzubringenden Zinszahlungen nicht zu hoch ansetzen. Lieber ein wenig Reserve und Spielraum einplanen. Das wirkt sich auch immer gut auf ein positives Familienklima aus.

Möglichst kurze Laufzeit

Dieser Punkt scheint auf dem ersten Blick im krassen Gegensatz zu den vorherigen Aspekten zu stehen, unterstreicht aber die Notwendigkeit, auch die Zeit nach Ende des Baukindergelds im Blick zu behalten und sich andererseits trotz einer eher niedrigen monatlichen Belastung nicht auf viele Jahrzehnte hinaus zu verschulden. Dann lieber eine „Nummer kleiner“ bauen oder kaufen. Verdient man dann im Laufe der Zeit mehr oder kommt unverhofft zu Vermögen, kann man immer noch aufstocken oder sich entsprechend vergrößern.

Fazit:

Das neue Baukindergeld der aktuellen GroKo hat durchaus das Potential, die Eigentumsquote in Deutschland zu erhöhen und Familien mit mittlerem Einkommen zu Wohneigentum zu verhelfen, ohne eine Preisexplosion oder eine Immobilienblase zu verursachen. Beachtet man dann noch die oben aufgeführten Punkte, sollte dem Erfolg des Baukindergeldes nichts im Wege stehen. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Regierung Gas bei der Formulierung und Verabschiedung des dazugehörigen Gesetzes gibt.

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