Wie spare ich für ein Haus?

Musterhaus.net beantwortet:
Wie spare ich in der Niedrigzinsphase auf ein Haus?

Bausparverträge und Lebensversicherungen waren bis vor einigen Jahren immer noch die erste Wahl vieler Millionen Bundesbürger, um ihren Ruhestand abzusichern oder auch in der Kombination beider Anlagemöglichkeiten ein Eigenheim zu finanzieren. In der aktuellen Niedrigzinsphase lohnen sich diese Optionen nur unter besonderen Umständen – und eben auch nicht für jeden. Wie man trotzdem seinen Traum vom Eigenheim verwirklichen kann, erfahrt Ihr in diesem Ratgeber-Artikel.

Erst top, jetzt Flop – Bausparverträge und Lebensversicherungen

In jedem zweiten deutschen Haushalt liegt mindestens noch ein Bausparvertrag in der Schublade für „Versicherungen und anderen Papierkram“, selbst 2016 wurden über 2 Millionen neue Verträge abgeschlossen. Angesichts des extrem niedrigen Zinsniveaus lohnt sich das Sparen auf ein Eigenheim über diese Option kaum noch. Auch Kapitallebensversicherungen haben fast komplett ihre ursprüngliche Attraktivität eingebüßt. Konnte man in den 90ern noch problemlos Policen mit einer Rendite von deutlich über sieben Prozent abschließen, muss man sich 2018 schon freuen, wenn man noch ungefähr 2,4 Prozent erhält.

Bausparverträge und Lebensversicherungen wurden auch gerne miteinander kombiniert – dabei haben sich in gewissen Konstellationen aufgrund der Niedrigzinsphase und der Reaktion der Versicherungsgesellschaften auch echte Stolperfallen ergeben, die manchem noch nicht so recht bewusst sind. Stellt man diese zwei Möglichkeiten aber geschickter zusammen, ergeben sie auch im Jahre 2018 noch einigermaßen Sinn.


Bausparvertrag: Sparen fürs Haus

Für wen lohnen sich heute noch Bausparverträge?

Der klassische Bausparvertrag stellt für bestimmte Personengruppen unter bestimmten Voraussetzungen aber selbst heutzutage immer noch die beste Ansparmöglichkeit dar. Von dem Grundkonzept des Bausparvertrags profitieren folgende Personengruppen:

Auszubildende und Menschen unter 25 Jahren

Der Verband der Privaten Bausparkassen e.V. (VdPB) meldet, dass sich Jahr für Jahr immer noch ca. 500.000 Menschen unter 25 Jahren für einen Bausparvertrag entscheiden. Und das ist aus zwei Gründen auch absolut zu begrüßen: Zum einen verdienen Jugendliche und junge Erwachsene üblicherweise noch nicht so viel Geld oder erhalten nur eine Ausbildungsvergütung. Daher können sie oft die gesamten staatlichen Förderungen in Anspruch nehmen. Zweitens profitieren sie von der Wahlfreiheit: Sie müssen das angesparte Geld – nach einer Mindestlaufzeit von sieben Jahren – nicht zwangsläufig für wohnungswirtschaftliche Zwecke einsetzen. Einige Gesellschaften gewähren aus vertrieblichen Gründen auch noch spezielle Boni, die man dann auch gerne mitnehmen sollte.

Junge Familien mit Kindern

Familien mit kleinen Kindern werden aktuell vom Staat besonders gefördert, das von der GroKo beschlossene Baukindergeld steht gerade in den Startlöchern. Die Hauptmotivation liegt aber in der Unterstützung durch die Riesterförderung, die ebenfalls Familien mit kleinen Kindern und moderaten Einkommen in den Fokus stellt. Verschiedene steuerliche Vorteile verstärken die Attraktivität von Bausparverträgen für diese Zielgruppe noch weiter.

Modernisierer

Wer mit dem Geld aus einem Bausparvertrag überhaupt nicht bauen, sondern „nur“ renovieren möchte, könnte auch profitieren. Denn die benötigten Summen sind eher gering und daher für die Kreditsachbearbeiter bei Banken und Sparkassen eher uninteressant.

Um von den Vorteilen und Förderungen aber im vollen Umfang zu profitieren, sollte man auch tatsächlich planen, Wohneigentum zu erwerben, neu zu bauen, zu modernisieren oder zu renovieren. Für andere Zwecke sind teilweise dann wieder andere Optionen interessanter und lukrativer.


Für wen lohnen sich Bausparverträge überhaupt nicht?

Wo Licht ist, da ist natürlich auch Schatten. Entsprechend gibt es auch Personengruppen, die einen großen Bogen um einen Bausparvertrag machen sollten.

Ältere Erwachsene/Singles mit höherem Einkommen ohne Kinder

Der aktuelle Schwerpunkt bei der Bauförderung liegt eindeutig bei jungen Familien mit kleinen Kindern und mittleren Haushaltseinkommen. Wer keine Kinder hat, als Single oder Paar ein höheres Salär bezieht oder noch auf andere Einkünfte zurückgreifen kann, sollte sich lieber nach anderen, lohnenderen Möglichkeiten umsehen.


Lebensversicherung: Sparen fürs Haus

Ist es sinnvoll, alte Bausparverträge oder Lebensversicherungen vor Fälligkeit aufzulösen?

Die Antwort: ein klares Nein! Jede Lebensversicherung oder jeder Bausparvertrag, der vor mindestens 10 Jahren abgeschlossen wurde, sollte bis zur Auszahlung komplett in Ruhe gelassen werden – nur eine Beleihung käme vielleicht noch infrage. Die Gesellschaften sind nämlich grundsätzlich verpflichtet, die damals versprochenen Renditen bis zum Ende der Laufzeit zu bedienen. Zwar führen momentan ein paar Versicherungsunternehmen angesichts wegbrechender Gewinne, die für die zugesagten Renditen aufgebracht werden müssen, entsprechende Gerichtsverfahren. Als Verbraucher befindet sich man aber vom Prinzip her immer noch in der besseren Position – hier lautet das Motto „Aussitzen!“. Selbst bei akuter Geldnot erscheint ein Verkauf oder eine Beleihung immer noch lukrativer als die unwiderrufliche Auflösung.

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Sollte man eine Lebensversicherung fürs Bauen verwenden?

Grundsätzlich sind Kapital-Lebensversicherungen dafür gedacht, den Lebensabend abzusichern oder Angehörige vor den finanziellen Folgen eines Todesfalls oder anderer Schicksalsschläge zu schützen. Die „Zweckentfremdung“ als Ansparmöglichkeit für das eigene Haus war bis ca. 2005 gar nicht so unüblich, eine bestehende oder neu abgeschlossene LV kombinierte man mit einem Bausparvertrag, zahlte aber während der vereinbarten Laufzeit nur die Zinsen und tilgte dann mit der Auszahlung der Lebensversicherungssumme den ausstehenden Betrag auf einen Schlag.

Diese Option wurde ab 2005 zunehmend unattraktiv, da in diesem Jahr eine Steuerpflicht für Kapitalauszahlungen gesetzlich verankert wurde und sich die Renditen auch spätestens seit der Krise von 2008 kontinuierlich in den Keller bewegten. Mittlerweile kann es sogar passieren, dass viele Hausbesitzer, die sich vor etlichen Jahren für diese Variante entschieden haben, empfindliche Nachzahlungen zum Ende der Laufzeit leisten müssen. Wurde zu sehr auf die avisierte Überschussbeteiligung gehofft, sammelten sich nicht selten mittlere fünfstellige Beträge als Unterdeckung an. Schlimmstenfalls kann dann sogar die Zwangsvollstreckung drohen, der Traum vom Eigenheim zerplatzt dann bereits nach 20 oder 30 Jahren wieder. Heutzutage wird diese Kombination zwar immer noch angeboten, Ihr solltet aber auf jeden Fall die Finger davon lassen. Lebensversicherungen haben im Baufinanzierungsbereich mittlerweile nur noch als Abdeckung des Sterberisikos eine Berechtigung, als Ansparmöglichkeit ist dieser einstige Dauerbrenner heutzutage komplett aus dem Rennen. Bei akutem Finanzbedarf könnte man – wie bereits erwähnt – eventuell überlegen, eine bestehende LV zu beleihen, um den Eigenkapitalanteil bei der Baufinanzierung zu erhöhen.


Finanzierungsmöglichkeiten beim Hausbau

Welche Möglichkeiten gibt es denn überhaupt noch, fürs Eigenheim sparen zu können?

Angesichts dieser eher nüchternen Bestandsaufnahme drehen wir jetzt einfach mal den Spieß um – je unattraktiver sich das Sparen in einer Niedrigzinsphase darstellt, desto interessanter erscheint natürlich das Aufnehmen eines Kredits. Die aktuellen Zinsen für Baufinanzierungsprojekte sind nämlich auch aus Häuslebauer-Sicht im Keller. Dabei gibt es aber ebenfalls ein paar Dinge zu beachten, um auch tatsächlich vom Zinsniveau profitieren zu können:

Baufinanzierung ja – aber nur mit passender Anschlussfinanzierung

Die momentan niedrigen Zinsen sollte man auch nach Ende der ersten Laufzeit tief im Keller einsperren. Diesen Effekt erreicht man, indem man bereits jetzt ein sogenanntes Forward-Darlehen abschließt und sich die aktuelle Zinslage sichert. Verfügt man bereits über einen Baufinanzierungsvertrag, hat sich aber noch nicht um die Anschlussfinanzierung gekümmert, kann man bei einer verbleibenden Restlaufzeit von 6 bis 60 Monaten gegen einen geringen Forward-Aufschlag bei zahlreichen Baufinanzierern sogar jetzt noch eine vergleichsweise günstige Weiterführung in trockene Tücher bringen.

Neben der klassischen Baufinanzierung gibt es auf dem freien Finanzmarkt natürlich noch einige andere Optionen, um Geld ansparen zu können oder ein bestehendes Vermögen über ein paar Jahre weiter zu vergrößern und dann für den Erwerb von Wohneigentum zu verwenden.

Festgeld

Banken und Sparkassen bieten auch heute noch die ganz normalen Sparmöglichkeiten an. Wer relativ flexibel, aber mit einem festen Zinssatz über ein paar Jahre Geld „zur Seite legen“ möchte, erhält aktuell zwischen 1,00 und 2,00 Prozent Zinsen auf Festgeldkonten. Nicht viel, aber immerhin noch kein Negativzins (den Kaufwertverlust aufgrund von Inflation klammern wir mal aus). Die klassischen Sparbücher könnt Ihr hingegen komplett vergessen, mit Glück kommt man dort über einen Prozentpunkt an Zinsen.

Aktien

Mit einzelnen Aktien selbst zu handeln ist eigentlich nur für versierte und erfahrene Profis lukrativ, die auch längere Baisse-Phasen (sinkende Kurse) und Komplettverluste aushalten können. Wer ein Haus für seine Familie bauen möchte, achtet aber erfahrungsgemäß eher auf Sicherheit und Langfristigkeit. Diese Prioritäten führen dann vielleicht noch zu Aktien-Fonds unterschiedlichster Anbieter, die ihre Unschuld aber bereits in der Finanzkrise 2008 verloren haben. Grundsätzlich sind Aktien und Unternehmensanleihen für den „normalen“ Erwerb von Wohneigentum nicht unbedingt zu empfehlen.

Privat-Darlehen, Crowdfunding

Die modernsten und gleichzeitig ältesten Formen der Privatfinanzierung sind wohl das analoge Privat-Darlehen und die schwarmfinanzierte und digitale Variante, das Crowdfunding. Bei beiden Optionen lässt man den klassischen „Zwischenvermittler“ – die Bank – außen vor und leiht sich das Geld von Freunden, Verwandten oder Bekannten zusammen. Oder setzt eben auf die Macht der Masse im Internet. Hier erhält man quasi nicht ein großes, sondern zahlreiche kleine Darlehen, reduziert aber so das Ausfallrisiko für den Einzelnen. Verschiedene Portale bietet entsprechenden Services an, hier muss man noch etliche Recherchearbeit investieren, um die persönlich genau passende und auch finanzierbare Variante zu finden. Im Bereich Wohneigentum-Finanzierung finden sich bisher noch nicht sehr viele Angebote, da es sich um sehr große Beträge und lange Laufzeiten handelt – also eher etwas für zukunftsorientierte und experimentierfreudige Menschen. Das analoge Privatdarlehen sollte man gleichfalls auf so vielen Schultern wie nur möglich verteilen, um das Risiko zu minimieren. Der Nachteil: Wenn man der gesamten Verwandtschaft Geld schuldet, könnte das allgemeine Familienklima über kurz oder lang darunter leiden.

Fazit:

Unterm Strich lohnt sich der klassische Bausparvertrag nur für Familien mit Kindern und mittlerem Einkommen – insbesondere wenn man die passenden staatlichen Förderungen in Anspruch nehmen kann. Hier sollte man aber sorgfältig recherchieren, denn jeder angesparte Euro wird immer nur einmal gefördert.

Wer nicht zur Fokusgruppe der aktuellen Bauförderung gehört, findet angesichts der niedrigen Zinsen bei einem Baufinanzierer die besten Konditionen – wenn er sich gleichzeitig um die Anschlussfinanzierung kümmert. Lebensversicherungen haben ihre besten Zeiten leider schon lange hinter sich – und haben sich schon „damals“ nicht wirklich zur Eigenheim-Finanzierung geeignet. Andere Formen sollte man sich nur näher anschauen, wenn sonst nichts infrage kommt oder man auch mit einem deutlich höheren Risiko leben kann.

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Schlagworte: Baufinanzierung, Hausbau, Kosten

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