Eigenleistungen: Sparen für handwerklich Begabte

Mit Anpacken lohnt sich

Unwidersprochenen Schätzungen zufolge können bis zu 20 Prozent der Baukosten gespart werden, wenn man selber mit anpackt. Das klingt erst einmal gut, hat aber schon viele hochmotivierte Bauherren beziehungsweise erfahrene Bauleiter in den sprichwörtlichen Wahnsinn getrieben.

Schlimmer noch: Wenn’s richtig schief läuft, liegen die Kosten sogar höher als ohne eigenes Engagement. Wer auf Eigenleistungen baut, sollte eine Reihe von Aspekten beachten.

Schon bei der Kostenkalkulation ist Sorgfalt erste Pflicht. Der Verband Privater Bauherren (VPB) hat eine aufschlussreiche Beispielrechnung aufgestellt. Wer es schafft, bei 140 Quadratmetern Wohnfläche und reinen Baukosten von 275.000 Euro rund 25.000 Euro einzusparen, hat umgerechnet die stolze Leistung von 850 Arbeitsstunden erbracht. Das sind mehr als 21 Wochen reine Nettozeit an Arbeit – Zeit, die entweder zu Lasten des täglichen Jobs geht oder zusätzlich eingeplant werden muss. Das raubt Kraft und birgt einiges Konfliktpotenzial. Laut einer Statistik des Bauherren-Schutzbundes liegen knapp 50 Prozent der Eigenleistungen unter 10.000 Euro.

Balkendiagramm zur Wertumfrage von Eigenleistungen

Wertumfrage von Eigenleistungen, Quelle: Online-Umfrage des Bauherren-Schutzbund e.V. unter 500 privaten Bauherren, 2012

Die Eigenleistungen können ohne die tatkräftige Unterstützung von Dritten kaum erbracht werden. Das zieht eine Reihe von Konsequenzen nach sich, denn „die Meldung der Helferstunden bei der BG BAU gehört zu den Mitteilungs- und Auskunftspflichten eines jeden Bauherren,“ so Joachim Förster, Sprecher eben jener Berufsgenossenschaft Bau. Die Kosten für die sogenannte Helfer-Versicherung lagen 2014 pro Arbeitsstunde bei 1,19 Euro in den neuen Bundesländern und bei 1,40 Euro in den alten Bundesländern (Mindestbetrag: 100) Euro. Recht dicke kommt es für die Bauherren und den Ehe-/Lebenspartner, die bei der Helferversicherung ausgeschlossen sind. Sie zahlten 2014 einen jährlichen Beitrag von 4.202,18 Euro.

Wer die Ausgaben für die Versicherung meidet, muss wissen was er tut. Laut Joachim Förster registriert die BG BAU jedes Jahr zirka 400 teilweise schwere Unfälle. Die Meldung der Helfer dient der Absicherung. Bauherren gehen damit Bußgeldern und Regressverfahren aus dem Weg und lindern das schlechte Gewissen, wenn Helfer womöglich ihr Leben lang von den Folgen ihres Freundschaftsdienstes gezeichnet bleiben.

Keinen nachhaltigen Gewinn erzielen

Aufpassen müssen Bauherren in Sachen Schwarzarbeit deren gesetzliche Regelung vage bleibt. So darf beispielsweise mit den Hilfsleistungen kein „nachhaltiger“ Gewinn erzielt werden. Außerdem sollten die Arbeiten von Angehörigen/Lebenspartnern, aus Gefälligkeit, durch Nachbarschaftshilfe oder im Wege der legalen Selbsthilfe erbracht werden. Schwammig wird es, wenn Dienstleistungen „in erheblichem Umfang“ gegen Bezahlung erbracht werden. Wie viel das ausmacht ist unklar. Klar hingegen ist , dass die Helfer gegebenenfalls die Agentur für Arbeit, die Jobcenter, die Krankenkassen und die Finanzämter über ihre Tätigkeiten informieren müssen. Bis zu 100.000 Euro an Strafe droht Bauherren, wenn ihnen die Beschäftigung von Schwarzarbeitern nachgewiesen werden können.

Wer sich jetzt noch umfassend über die Sicherheitsvorschriften auf Baustellen informiert, kann den Blick auf die Vorteile und das Machbare bei Eigenleistungen werfen. Wichtig ist noch, die eigenen handwerklichen Fähigkeiten richtig einzuschätzen. Nichts ist für die Arbeiter störender und nervender als ein Bauherr, der alles besser weiß, aber nichts besser kann. Bauherren, die definitiv über die relevanten Fähigkeiten verfügen, können und sollten sich einbringen. Am besten holt man sich den Rat eines Sachverständigen ein, der den Bauablauf gut plant und fachlich beaufsichtigt. Dann wissen Bauherren, wann sie gefragt sind und wie lange sie für ihre Arbeit Zeit haben.

Der Verband Privater Bauherren rät ausdrücklich: „Wer selbst baut, der sollte sich unbedingt vorab Hilfe vom Sachverständigen holen. Er sollte bereits vor Vertragsabschluss und mit Hilfe seines Bausachverständigen genau auflisten, was er an Eigenleistung erbringt“, so Pressesprecherin Eva Reinhold-Postina. Die detaillierte Festlegung der Eigenleistungen bringt Klarheit in der Organisation und die nötige Rechtssicherheit.

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Wert der Eigenleistungen realistisch einschätzen

Wer handwerkliches Geschick mitbringt, hat bei den Kreditinstituten gute Karten. Mit einer realistischen, nachweisbaren Einschätzung über den Wert der Eigenleistungen lässt sich die Summe des Darlehens reduzieren – und somit auch die monatliche Tilgungsrate. In der Branche spricht man hier von der sogenannten „Muskelhypothek“. Die tatsächliche Summe der Eigenleistungen ist schwer einzuschätzen, und sollte daher mit einer defensiven Haltung vorgenommen werden. Im ungünstigsten Fall geht Bauherren sonst das Geld noch während der Bauphase aus.

Wo Bauherren sparen können

Gelernte Handwerker wissen schon von Haus aus, welche Eigenleistungen sie fachgerecht durchführen können. Laien-Heimwerker mit einigermaßen Geschick können sich an Maler – und Tapezierarbeiten wagen. Um die 70 Prozent an Kosten können dadurch gespart werden.

Beim Verlegen von Laminat richtet sich der Preis nach der Fläche. Bei 50 Quadratmetern kann so der Betrag um 1.200 bis 1.500 Euro gesenkt werden. Bei Fliesen liegt die Ersparnis etwa 10 Prozent niedriger.

Der Trockenbau ist sicher nicht jedermanns Sache. Verlegen, Spachteln und Schleifen von Rigips-Platten bereitet wenig Freude. Dennoch kann es sich lohnen – bis zu 70 Prozent Kostenreduzierung sind möglich.

Wer einigermaßen Fachwissen und Übung mitbringt, kann sich mit am Rohbau verdingen. Die Lohnkosten sind dabei besonders hoch, weil viel Zeit investiert wird. Hier heißt es vor allem: Anpacken und Schuften.

Die Arbeiten an Fenstern, Türen und Treppen verlangen ebenso einiges an Geschick. Wer darauf verzichten kann, sollte das tun, denn der Lohnanteil an den Baukosten ist meist recht niedrig.

Der Putz an den Wänden ist eine beliebte Arbeit bei Bauherren, obwohl der Aufwand recht hoch ist. Neben dem Einsparpotenzial von 80 Prozent verspricht diese Arbeit eine hohe Identitätsstiftung und Zufriedenheit.

Profis sollten es sich nicht nehmen lassen, die Sanitär- und Elektroinstallation selbst zu erledigen. Fachfremde Bauherren sollten davon definitiv die Finger lassen.

Balkendiagramm zu den typischen Eigenleistungen beim Hausbau

Typische Eigenleistungen beim Hausbau, Quelle: Online-Umfrage des Bauherren-Schutzbund e.V. unter 500 privaten Bauherren, 2012

Eine gute Option für den Bau mit Eigenleistungen bieten die Fertighäuser. Sie werden oft bezugsfertig übergeben. Einigermaßen geschickte Bauherren können sich dann bei den Bezugsarbeiten wie Tapezieren verwirklichen.

Fertigbauhäuser können aber auch als Bausatz oder Selbstbauhäuser angeliefert werden. Die Planung, Bauleitung und die Materialien stellt das Bauunternehmen zur Verfügung. Den Rest übernimmt der Bauherr.

Wichtig für die Eigenleistungen sind also eine realistische Selbsteinschätzung der eigenen handwerklichen Fähigkeiten, die Absicherung der Helfer, die Sicherheit auf der Baustelle sowie der Wille zur Kooperation mit Sachverständigen und Arbeitern – dann klappt’s auch mit dem Eigenheim.

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