Hausbau mit Keller: ja oder nein?

Eine Entscheidunghilfe für die Frage:
Soll ich ein Haus mit oder ohne Keller bauen?

Zu einem „richtigen“ Haus gehört ein Keller – diese Meinung ist vor allem in Deutschland weitverbreitet. Aber das Untergeschoss belastet das Baubudget zusätzlich. Viele Bauherren verzichten daher lieber auf die Etage unter dem Erdgeschoss und belassen es bei der Bodenplatte. Doch ist die Überlegung „Keller: ja oder nein“ tatsächlich eine reine Kostenfrage? Wir zeigen, was für ausgebautes Untergeschoss spricht und was dagegen – eine Entscheidungshilfe.

Bodenplatte oder Keller? Ob Fertighaus oder Massivhaus: Jeder Bauherr steht bei der Bauplanung vor dieser Wahl. Dabei geht es um eine weitreichende Entscheidung, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Häufig ärgern Hausbesitzer sich schon ein paar Jahre später, wenn in der Immobilie Platz für die mittlerweile gewachsene Familie, zum Arbeiten, Lagern oder für die Hobbys fehlt.

Bei der Überlegung pro oder contra Keller sind besonders zwei Faktoren ausschlaggebend:

Der Baugrund: Wert und Beschaffenheit

Die Nutzung als Wohn- oder Nutzkeller

Teure Grundstücke: meist mit Keller

Merke! Dort, wo Baugrund teuer ist, macht es wirtschaftlich Sinn, so viel Hausfläche wie möglich zu nutzen. Denn die Alternativen, Ausweichflächen wie ein Anbau, kosten wertvollen Baugrund und Gartenfläche plus die Ausgaben für den Anbau selbst.

Daher werden im Süden Deutschlands und in Ballungsgebieten meisten Häuser mit Keller gebaut. Eine Entscheidung mit Weitblick, denn der Keller ist wichtig für den möglichen Verkauf des Hauses in der Zukunft.

„Hier zeigt sich immer mehr, dass ein Haus ohne Keller heute ebenso schwer zu verkaufen ist, wie ein Auto ohne Klimaanlage“, weiß Bernd Hetzer von der Gütegemeinschaft Fertigkeller (GÜF).

Ob der Trend zum Keller geht oder doch zur Bodenplatte, darüber streiten die Experten. Denn offizielle statistische Zahlen fehlen. Aber: Ein Viertel bis ein Drittel aller Häuser wird ohne Keller gebaut, schätzen Baufachleute.

Qualität von Grund und Boden entscheidend

Doch kann jeder auf seinem Grundstück einfach mit Keller bauen? Zunächst einmal gilt es, das Rechtliche zu berücksichtigen und in die Bauvorschriften des Bundeslands sowie in den örtlichen Bebauungsplan zu schauen: Hier ist genau festgelegt, wie der zusätzliche Raum im Untergeschoss gestaltet sein darf in Hinblick auf Größe, Beleuchtung oder Rettungswege.

Dann geht es der Sache sprichwörtlich auf den Grund: Das Baugrund- oder Bodengutachten (Kostenpunkt rund 1.000 Euro), das unbedingt zu empfehlen ist, misst die geologische Beschaffenheit und Tragkraft des Bodens, die Höhe des Grundwasserspiegels oder gar die Verunreinigung mit Altlasten.

Von den festgestellten Bodenverhältnissen hängt entscheidend ab, wie teuer der Kellerbau bzw. die Bodenplatte wird – und hier kommen schnell unvorhergesehene Kosten ins Spiel. Ein Beispiel: Sind die oberflächennahen Bodenschichten nicht ausreichend tragfähig, muss auch für eine Platte Boden ausgetauscht werden. Gegebenenfalls sind, etwa in Hanglagen, weitere Erdarbeiten oder sogar Stahlbetonarbeiten nötig – hier landet man schnell im fünfstelligen Eurobereich, zusätzlich zu den Kosten der Bodenplatte. Müssen gar Altlasten entsorgt werden, kann es richtig teuer werden.


Was kostet eine Bodenplatte?

Grundsätzlich sind für eine Standard-Bodenplatte aus Stahlbeton Kosten von rund 100 Euro pro Quadratmeter einzuplanen. Dieser Preis setzt sich zusammen aus den Erdarbeiten, der Schalung sowie den Kosten für Beton. Eine speziell gedämmte Thermobodenplatte, wie sie für Effizienzhäuser vonnöten ist, schlägt mit rund 150 Euro pro Quadratmeter zu Buche. Somit sind für eine 100 qm2-Grundfläche zwischen 10.000 und 15.000 Euro einzukalkulieren. Allerdings: Die meisten kellerlosen Hausbesitzer schaffen sich eine ebenerdige Ausweichfläche, deren Kosten für einen realistischen Vergleich mit dem Keller mit einberechnet werden müssten.


Was kostet ein Keller?

Die Kosten eines Kellers sind abhängig von der Bodenbeschaffenheit, dem geplanten Ausbau als Nutz- oder Wohnkeller und der Bauweise. Generell können Keller als Massivkeller gemauert, direkt vor Ort aus Beton gegossen oder als Fertigkeller zusammengesetzt werden. Letzterer bietet sich vor allem deshalb an, weil er sehr schnell und zu Fixkosten montiert ist.


Weiße Wanne

Ein Fertigkeller ist schnell gebaut und wird meist als „Weiße Wanne“ angelegt.

Das A und O beim Kellerbau

Damit der Keller nicht nass wird, muss in er zuverlässig gegen Feuchtigkeit abgedichtet werden. Liegt der geplante neue Keller im Grundwasser oder sammelt sich schnell Sickerwasser im Erdreich an, sollte er in Form der „Weißen Wanne“ errichtet werden. Bei dieser Bauweise erfolgt die gesamte Abdichtung durch wasserundurchlässigen Beton („WU-Beton“). Der große Vorteil ist, dass bei einer möglichen (seltenen) Undichtheit von innen nachgearbeitet werden kann, was bei einer „Schwarzen Wanne“, die vor allem bei Massivkellern genutzt wird, nur mit großem Aufwand möglich ist. Denn hierbei werden die Kellerwände von außen mit einer schwarzen mehrlagigen Bitumenbeschichtung abgedichtet. Der Preis für beide Bauweisen ist ungefähr gleich hoch.


Grundwasser macht Keller teurer

Ist viel Absicherung gegen Grundwasser nötig, wird der Keller deutlich teurer. Das zeigen Untersuchungen, die exemplarisch Baukosten für einen Keller unter einem Einfamilienhaus berechneten. Das Ergebnis: Im Schnitt kosten Kellerflächen rund 300 Euro pro Quadratmeter mehr als die Bodenplatte. Bei drückendem Wasser und der Abdichtung mit WU-Beton und weiteren Schutzmaßnahmen wie wasserdichten Fenstern oder Lichtschächten, belaufen sich die Mehrkosten auf rund 400 Euro. Bei einem Hochkeller, der nur am Boden gegen Grundwasser abgesichert ist, sind es nur 180 Euro Aufpreis.

Das Fazit der Studie: Der Keller lohnt sich! Für zehn Prozent Mehrkosten gibt es 40 Prozent mehr Raum zum Leben.

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Raum zum Leben – oder bloß Stauraum? Wohn- und Nutzkeller im Check.

Ob man den Keller tatsächlich als Raum zum Leben nutzt, ist eine Frage des persönlichen Bedarfs. Manchen Bauherren genügt ein Lagerraum, der deutlich weniger Baukosten verursacht.
Wieviel Stauraum braucht man jetzt und in 15 oder 20 Jahren? Im Prinzip kann alles nach unten, was man oben nicht benötigt: Waschküche, Heizung- und Lüftungstechnik, Fahrräder, Vorräte, Gartengeräte oder die Heimwerkerausstattung – für solche Zwecke reicht ein unbeheizter Nutzkeller. Dieser hat den Vorteil, dass man bei der Dämmung der Kellerwände sparen kann, die Vorgaben sind hier nicht so streng – jedoch muss man in eine thermische Treppen- und Kellerdeckendämmung investieren.


Wohnkeller im Trend

Stark im Trend liegen derzeit die Wohnkeller. Bei ihm gibt es vielfältige Möglichkeiten: Die Nutzung als Hobbyraum, privates Fitnessstudio, Wohnung oder Arbeitszimmer hat seit den 80er Jahren deutlich zugenommen. Im Prinzip ist ein Wohnkeller ähnlich ausgestattet wie der darüber liegende Wohnraum und unterscheidet sich vom Nutzkeller durch größere Fenster, eine Heizung sowie einen Fluchtweg. Die Wärmedämmung der Wohnkellern entsprechen den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Dazu wird eine sogenannte Perimeterdämmung mit wasser- und druckbeständigen Dämmstoffen an den Kelleraußenwänden mit Erdberührung verbaut, was zusätzliche Kosten mit sich bringt. Generell ist ein umfangreich ausgebauter Wohnkeller mit bis zu 700 Euro pro Quadratmeter zu veranschlagen.

Moderner Wohnkeller

Ein moderner Wohnkeller schafft mehr Wohnwert.

Übrigens: Falls ein Haus nach den (höchsten) Förderstandards KfW 40 bzw. KfW 40 Plus geplant ist, muss man den Wohnkeller ebenfalls nach den hohen Ansprüchen der EnEV dämmen, das heißt konkret: mit 16 cm dicker Dämmung und besonders dichten Kellerfenstern. Das bringt, je nach Größe und Ausstattung, Zusatzkosten von mindestens 10.000 Euro mit sich, die aber durch Förderung abgemildert werden.

Ganz besonders bietet sich ein Wohnkeller an, wenn man ein Hanggrundstück sein Eigen nennt. Auf der Talseite ragt hier der Keller aus der Erde heraus, so dass viele Bauherren, sofern es die Bauvorschriften zulassen, mit Souterrain bauen und vollwertigen Wohnraum mit Tageslicht genießen. Allerdings kann es aufgrund der Hanglage zu Problemen mit abfließendem Oberflächenwasser kommen, weshalb mitunter Drainagen verbaut werden müssen.

Fazit:


Beim Keller langfristig denken, statt schnell zu sparen. Bereits bei der Bauplanung ist vorausschauendes Denken wichtig. Schließlich könnte das neue Eigenheim eines Tages verkauft werden. Denn: „Zu einem ‚richtigen‘ Haus gehört ein Keller“ – das denken nach wie vor die meisten Interessenten beim Hausbau. Durch einen Keller wird das Grundstück in aller Regel optimal ausgenutzt, der zusätzliche Raum erhöht die Lebensqualität – und der Wert der Immobilie wird gesteigert.

Zusammenfassung:

Ein Keller lohnt sich, wenn …

Baugrund rar und das Grundstück klein und/oder vergleichsweise teuer ist

der Boden geeignet und die Grundwasserbelastung im Rahmen ist

in Hanglage gebaut wird

mittelfristig zusätzlicher Wohnraum gewünscht oder geplant ist


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