Ab wann Du eine Baugenehmigung brauchst und warum

Erste Schritte zum Traum vom eigenen Haus

Deutschland befindet sich mitten in einem Bau-Boom: Laut Statistischem Bundesamt[1] wurden im Jahr 2017 Genehmigungen für mehr als 146.000 Gebäude und 305.000 Wohnungen mit Gesamtkosten von mehr als 82 Milliarden Euro erteilt.

Zum Vergleich: Im Jahr 2014 waren es gerade einmal rund 138.000 Gebäude und 251.000 Wohnungen mit einem Gesamtwert von etwa 64 Milliarden Euro. Zählt man weitere Baumaßnahmen wie Sanierungen oder kleinere Bauvorhaben hinzu, ergibt sich noch eine weit höhere Anzahl an erteilten Baugenehmigungen.

Als Grundstücksbesitzer stellen sich viele angehende Bauherren die Frage, ab wann sie überhaupt eine Baugenehmigung benötigen. Ist das kleine Gartenhaus auf dem eigenen Grundstück oder das Carport in der Einfahrt bereits genehmigungspflichtig? Und ist der Anbau des Wintergartens ebenfalls ein Fall für die örtliche Baubehörde? Wie genau läuft das Verfahren vom Antrag bis zur Baufreigabe ab und was passiert eigentlich, wenn ich illegal baue? Diesen und weiteren Fragen gehen wir in unserem Ratgeber auf den Grund und geben praktische Tipps und Tricks für angehende Bauherren.

Was ist eine Baugenehmigung?

Kurz und knapp: Die Baugenehmigung ist eine Bescheinigung der Baubehörde. Mit dieser Genehmigung signalisiert die örtliche Baubehörde, dass das beantragte Bauvorhaben den gesetzlichen Vorschriften und Regelungen entspricht und keine Bedenken angemeldet werden. Bauherren in der Bundesrepublik Deutschland haben es gut – Sie genießen im Allgemeinen Baufreiheit. Das bedeutet, dass sie grundsätzlich auf ihrem Grundstück bauen, es verändern oder nutzen dürfen, wobei es jeweils einer Zustimmung der Bauaufsichtsbehörde bedarf. Damit Du Dich im Vorfeld eines Grundstückskaufs schon absicherst, raten wir Dir zu einer planungs- und bauordnungsrechtlichen Beurteilung. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob bei der Gemeinde ein Bebauungsplan für das besagte Grundstück vorliegt oder ob das Grundstück mit bebauten Ortsteilen zusammenhängt. Dabei geht es um wesentliche Kriterien, die für die spätere Erteilung des Baurechts entscheidend sind und somit auch die Grundlage für die Baugenehmigung darstellen.

Nach Erteilung der Baugenehmigung können gegebenenfalls weitere Verfahren wie Prüfungen zum Emissionsschutz oder zum Wasserschutz notwendig sein. Erst nach Abschluss dieser Verfahren darfst Du mit dem Bau beginnen.


Bauantrag

Aber von vorne: Schritt für Schritt zur Baugenehmigung

Die Erteilung von Baugenehmigungen obliegt in Deutschland grundsätzlich den Bundesländern selbst. Der Antrag auf eine Baugenehmigung ist also bei der lokalen Bauaufsichtsbehörde beziehungsweise bei der Kommune einzureichen. In der Regel läuft der Genehmigungsprozess wie folgt ab:

Die vollständigen Unterlagen werden in dreifacher Ausführung entweder direkt bei der Bauaufsichtsbehörde oder bei der Gemeinde eingereicht. Gegebenenfalls leitet die Gemeinde als Empfänger den Antrag an die Baubehörde weiter.

Die lokale Bauaufsichtsbehörde in Deinem Bundesland prüft, ob Dein Antrag den bauordnungsrechtlichen und planungsrechtlichen Vorschriften entspricht und entscheidet auf Grundlage dieser Prüfung über den Antrag.

Wenn die Prüfung der Vorschriften positiv ausfällt, erteilt die Bauaufsichtsbehörde Dir die Baugenehmigung.

Tipp: Wenn Dein Grundstück Teil eines Bebauungsplans ist, kannst Du im Rahmen des Genehmigungsprozesses auch eine Bauanzeige stellen. Dabei handelt es sich um eine vereinfachte Form des Bauantrags, bei der Du nach einer vierwöchigen Frist direkt mit dem Bau beginnen darfst, wenn die Baubehörde keine Einwände hat. Wird hingegen ein vollständiger Bauantrag gestellt, kann die Bearbeitung durchaus mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Dein Kompass im Papier-Dschungel: Welche Unterlagen sind Teil des Bauantrags?

Bauvorhaben sind Ländersache, weshalb die Anforderungen an den Bauantrag auch in den Bauordnungen des jeweiligen Bundeslandes geregelt sind. Bauanträge können nicht von jedem Verbraucher gestellt werden, sondern erfordern eine Bauvorlageberechtigung.

Wann bist Du bauvorlageberechtigt?[2]

  • Wenn Du einen qualifizierten Hochschulabschluss in den Studienfächern Architektur und (Bau)-Ingenieurwesen vorweisen kannst.
  • Wenn Du nach deinem Abschluss mindestens zwei Jahre im Bereich Gebäudeplanung gearbeitet hast.
  • Wenn Du Know-How von öffentlichem Baurecht (Bauordnungs-, Bauprodukts-, Bauplanungsrecht) hast.
  • Und wenn Du bei einer bauvorlageberechtigten Architektenkammer oder als bauvorlageberechtigter Ingenieur erfasst bist.

Den Bauantrag musst Du in dreifacher Ausführung einreichen. Er beinhaltet unter anderem die folgenden Unterlagen:

  • Berechnung der Wohn- und Nutzfläche
  • Lageplan als Auszug der örtlichen Liegenschaftskarte oder der Flurkarte
  • Bauzeichnungen im Maßstab 1:100 (mit Grundrissen, Schnitten und Ansichtszeichnungen)
  • Baubeschreibung mit technischen und ausführungsspezifischen Angaben zum Vorhaben
  • Berechnungen zum umbauten Raum, der Geschossflächenanzahl und der Grundflächenzahl
  • Entwässerungspläne
  • Nachweise für Standsicherheit, Wärmeschutz, Brandschutz und Schallschutz
  • Unterschriebener Bauantragsvordruck

Wichtig: Dein Antrag kann nur berücksichtigt werden, wenn die Unterlagen vollständig sind. Wenn wichtige Dokumente fehlen, können sich das gesamte Baugenehmigungsverfahren und somit auch der Baubeginn erheblich verzögern.

Tipp: Die Bauaufsichtsbehörde stellt in der Regel Informationsmaterial über den Umfang des Bauantrags sowie vorgefertigte Antragsformulare zur Verfügung.

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Ab wann brauche ich eine Baugenehmigung?

Auch bei der Frage, ab wann eine Baugenehmigung erforderlich ist, kommt es auf die Bauordnungen der Bundesländer an. Diese können unterschiedlich sein, wodurch die Frage nach der Genehmigungspflicht von Bauvorhaben nicht pauschal beantwortet werden kann. Grundsätzlich können neben Neubauten auch Änderungen an Bestandsgebäuden sowie Anbauten oder das Errichten von Carports und Gartenhäusern genehmigungspflichtig sein. Bei kleineren Bauvorhaben ohne Genehmigungspflicht reicht es häufig aus, die Gemeinde über den Bau zu informieren.

Ab wann eine Baugenehmigung erforderlich ist, hängt neben der Größe des Objektes auch von Faktoren wie dem Einbau von Aufenthaltsräumen, Feuerstätten oder Toiletten ab. Im Folgenden möchten wir anhand zweier typischer Beispiele erläutern, ab wann eine Baugenehmigung tatsächlich erforderlich ist.

Das Carport

Das Carport ist ein typisches Beispiel, bei dem die Frage aufkommt: Brauche ich dafür überhaupt eine Baugenehmigung? Hier spielen vor allem regionale Besonderheiten eine Rolle: Während die Brutto-Grundfläche eines genehmigungsfreien Carports im Saarland beispielsweise nur bei 36 Quadratmetern liegen darf, sind andere Bundesländer wie Bayern, Bremen oder Hamburg großzügiger und verzichten bis zu einer Größe von bis zu 50 Quadratmetern auf den zeitraubenden Genehmigungsprozess.

Als Faustformel kannst Du Dich daran orientieren, dass die meisten Vorhaben mit einer mittleren Wandhöhe bis zu drei Metern und einer Grundfläche von bis zu 30 Quadratmetern genehmigungsfrei sind. Übersteigt Dein Bauvorhaben diese Maße, empfehlen wir Dir, Dich genauer mit den regionalen Bauvorschriften vertraut zu machen.

Das Gartenhaus

Auch das Gartenhaus gehört zu den meistdiskutierten Bauvorhaben bei der Frage, ab wann die Baugenehmigung erforderlich ist. Hier sind ebenfalls die Bauvorschriften des Bundeslandes entscheidend: Während Gartenhäuser in Bayern bis zu einem Brutto-Rauminhalt von bis zu 75 Kubikmetern grundsätzlich genehmigungsfrei sind, liegt die Grenze in Rheinland-Pfalz bei 50 Kubikmetern und in Nordrhein-Westfalen und Hamburg bei 30 Kubikmetern.

Darüber hinaus spielt auch die Ausstattung eine wichtige Rolle: In den meisten Bundesländern ist unabhängig von der Größe eine Genehmigung erforderlich, wenn Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten vorgesehen sind.

Tipp: Als Kleingärtner mit einer Gartenlaube in einer Kleingartenkolonie hast Du Glück: Laut Bundeskleingartengesetz benötigst Du keine Baugenehmigung, wenn die Grundfläche der Gartenlaube 24 Quadratmeter nicht übersteigt.

In welchen Fällen kann ich ohne Baugenehmigung bauen?

Die Landesbauordnungen der Bundesländer haben Vorhaben definiert, die genehmigungsfrei sind und die Du daher auch ohne langwierige Genehmigungsverfahren in Angriff nehmen kannst. Neben Gartenhäusern und Carports, die die regionalen Genehmigungsgrenzen einhalten, können auch Gebäude oder Vorbauten ohne Aufenthaltsräume sowie Solarenergieanlagen, Sonnenkollektoren und Wasserbecken genehmigungsfrei sein.

Unabhängig von der Erfordernis einer Baugenehmigung empfehlen wir, bei der Durchführung des Bauvorhabens die Anforderungen des öffentlichen Baurechts, wie die Abstandsvorschriften, zu berücksichtigen.


In welchen Fällen keine Baugenehmigung gebraucht wird

Was passiert, wenn ich illegal baue?

Unser gut gemeinter Rat: Sieh vom Bau eines genehmigungspflichtigen Gebäudes ohne Baugenehmigung lieber ab. Denn das kann ein Nachspiel haben und seitens des Gesetzgebers mit empfindlichen Strafen geahndet werden. Wenn Du z.B. in Berlin unerlaubt den ersten Spatenstich zu einem genehmigungspflichtigen Gebäude durchführst, sind als Folge Strafzahlungen und Bußgelder von bis zu 50.000 Euro möglich. Darüber hinaus kann es passieren, dass Du von der zuständigen Behörde zum Abriss des Gebäudes auf eigene Kosten verpflichtet wirst.

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[1] www.destatis.de

[2] www.bbik.de


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