Ökologische Dämmstoffe

Ökologische Dämmmaterialien und Ihre Eigenschaften


Artikelübersicht:

  1. Holzfaser
  2. Holzwolle
  3. Zellulose
  4. Hanf
  5. Fazit

Nahezu jedes Jahr steigen die Energiepreise für Strom und Heizstoffe für die Verbraucher erneut. Hierdurch ist das Thema Wärmedämmung aktueller denn je – richtig angewendet kann diese erheblich bei der Einsparung von Heizkosten helfen. Voll im Trend liegen dabei „ökologische Dämmstoffe“, ob in der Planungsphase für einen Neubau oder als Nachrüstungs- und Sanierungsmaßnahme für Bestandsobjekte. Immer mehr Architekten, Planer, Bauunternehmen und Hausbesitzer entscheiden sich bei einer Dämmmaßnahme für ökologische – also nachwachsende – Naturmaterialien.

Dämmstoffe aus Naturmaterialien wie Holz oder anderen Pflanzenbestandteilen haben gegenüber konventionellen mineralischen bzw. anorganischen Dämmstoffen nämlich einige Vorteile: Sie sind wasserdampfdurchlässig und verhindern dadurch beispielsweise aktiv Schimmelbildung zwischen den Dämmlagen bzw. an Kontaktflächen. Dämmmaterialien aus Holz oder Hanf sind nachwachsende Rohstoffe und damit auch in großer Menge verfügbar sowie ressourcenschonend. Die Herstellungsprozesse sind inzwischen hoch optimiert und damit energiesparend ausgelegt. Wir stellen Euch in diesem Beitrag vier interessante und ökologisch hochwertige Dämmstoffe im Detail vor.

Holzfaser:
Hocheffizienter und günstiger Dämmstoff

Ein Dämmstoff aus Holzfasern ist ein reines Naturprodukt und wird zum Großteil aus zerfasten Altholzmaterialien gewonnen. Die Fasern werden dabei mit Wasser vermengt und bilden einen dickflüssigen Brei, der in Formen gegossen und getrocknet wird. Daraus entstehen dann Holzfaser-Dämmplatten in verschiedenen Stärken und Formen. Durch eine Profilformung wird eine leichte Montage und hohe Dichtigkeit erreicht, was der Dämmwirkung zusätzlich stark entgegenkommt.

Die Holzfasern sind sehr leicht zu verarbeiten und als nachwachsender Rohstoff auch hoch verfügbar. Durch konsequentes Holzrecycling ist der Naturstoff auch mehrfach verwertbar und damit sehr kosteneffizient. Eine Holzfaserdämmung weist zudem eine sehr hohe Wärmekapazität auf und bildet dadurch einen idealen Wärmeschutz bei beispielsweise übermäßiger Sommerhitze. Ein wesentlicher Nachteil ist jedoch, dass Holzfaserdämmstoffe leicht entflammbar sind.

Holzfaser Dämmstoff

Dämmstoffe aus Holzfasern werden in verschiedenen Formen und Produkten angeboten. Zum einen gibt es die weithin bekannten Holzfaserplatten mit Nut- und Federprofil, die im Stecksystem schnell montiert und leicht zu handhaben sind. Auf der anderen Seite gibt es die Holzfasern aber auch als lose Schüttware zur Befüllung von Hohlräumen. Klassische Einsatzbereiche sind hier Innen- sowie Dachdämmungen in verschiedenen Ausführungen.

Preislich finden sich die Holzfaserdämmstoffe eher im oberen Segment der Kostentabelle. Gegenüber anderen ökologischen Dämmstoffen liegen die Preise pro Quadratmeter hier bei ca. 40 bis 50 Euro. Aufgrund der sehr guten Eigenschaften und der hohen ökologischen Vorteile werden die Holzfaserplatten in Deutschland neben den auf Zellulose basierenden Dämmstoffen auch am häufigsten eingesetzt. Und dies auch aus gutem Grund: Die technischen Eigenschaften von Holzfaserplatten können sich durchaus sehen lassen. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von ca. 0,040 – 0,055 W/(m K) und bei einem reinen Einsatz zur Fassadendämmung müsste die Schichtdicke nur ca. 18 cm betragen, um den geforderten U-Wert von 0,24 W/(m²K) laut EnEv zu erreichen.

Die wichtigsten Informationen auf einen Blick:

  • Preis pro qm: ca. 40 bis 50€
  • Wärmeleitfähigkeit ca. 0,040 – 0,055 W/(m K)
  • Schichtdicke zur Erfüllung der EnEV: ca. 18cm
  • Brandschutz DIN 4102-1: B2
  • Brandschutz DIN EN-13501-1: E

Holzwolle:
Eine optimale Schalldämmung

Die sogenannte Holzwolle wird ebenfalls durch Zerfaserung von Holzmaterialien erzeugt. Die Faserteile werden dabei jedoch zu einem Vliesstoff verwoben und mit zusätzlichen Bindemitteln wie Magnesit angereichert. Über die Vermengung der Fasern mit Zusatzstoffen wird erreicht, dass die Baustoffplatten aus Holzwolle relativ schwer entflammbar sind. Durch das Bindemittel werden die gefertigten Platten jedoch starr und sind somit nicht so flexibel zu verarbeiten wie vergleichbare Holzdämmstoffe.

Wie die Holzfaserplatten sind die Holzwolle-Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt und damit sehr wirtschaftlich und obendrein ökologisch. Durch die Zusatzstoffe ist Holzwolle auch sehr resistent gegen Ungeziefer, Schimmel- und Pilzbefall. Ein weiterer großer Vorteil ist das unbedenkliche Recycling und somit die nahtlose Rückführung in die Wiederverwertung. Aufgrund der ausgewiesenen Baustoffklasse ist Holzwolle als nichtbrennbar mit Anteilen von brennbaren Baustoffen ausgewiesen. Der offensichtlichste Nachteil ist die relativ geringe Dämmwirkung.

Holzwolle Dämmstoff

Dämmanwendungen für Holzwolle findet man in der Isolierung von Beton-Kellerdecken, Fassaden und Mehrschicht-Dachdämmungen als Aufdach- oder Zwischensparrendämmung. Aufgrund der relativ geringen Isolierwirkung sollte hier eine Mehrfach-Schichtdämmung in Betracht gezogen werden. Häufig wird Holzwolle auch als loses Dämmmaterial bei Einblasdämmungen verwendet. Einen guten Wert erzielt man mit Dämmplatten aus Holzwolle hingegen im Bereich der Schalldämmung.

Dämmplatten aus Holzwolle sind gegenüber anderen ökologischen Materialien sehr teuer. Der Quadratmeterpreis liegt hier gerne bei 80 bis 90 Euro pro Quadratmeter. Wenn jedoch besondere Anforderungen an die Brandschutzklasse gefordert oder eine hohe Eignung für Schallschutz vorgegeben sind, werden Holzwoll-Baustoffe gerne bevorzugt verwendet. Die relativ schlechte Wärmedämmung kommt von der geringen Wärmeleitfähigkeit von 0,093 W/(m K). Um bei dem zuvor genannten Beispiel einer Fassadendämmung zu bleiben, müsste eine gut 36 cm dicke Materialschicht aus Holzwoll-Platten aufgetragen werden um den geforderten U-Wert von 0,24 W/(m²K) laut EnEv zu erreichen.

Die wichtigsten Informationen auf einen Blick:

  • Preis pro qm: ca. 80 bis 90€
  • Wärmeleitfähigkeit 0,093 W/(m K)
  • Schichtdicke zur Erfüllung der EnEV: ca. 36cm
  • Brandschutz DIN 4102-1: A2
  • Brandschutz DIN EN-13501-1: A2 – s0 d1

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Zellulose:
Besonders wirksam und kostengünstig

Eine Dämmung, die auf Zellulose basiert, ist eine sehr wirtschaftliche und effiziente Maßnahme zur Isolierung. Aus vornehmlich Altpapier werden unterschiedliche Werkstoffe für die Zellulosedämmung hergestellt. Dabei werden die Papierfasern in Wasser gelöst und mit zusätzlich beigemengten Stoffen, etwa Borsalzen für mehr Brandschutz, versetzt. Zelluloseplatten entstehen durch Heißdampfpressung der gelösten Papierfasern. Das Dämmmaterial gibt es jedoch auch als losen Werkstoff – es kann als Trockenfaser angewendet werden.

Zellulose-Dämmstoffe wie Faserplatten besitzen sehr viele Vorteile. Der rein organische Dämmstoff bietet einen sehr hohen Schallschutz, zeigt eine hohe Resistenz gegen Schimmel- und Pilzbefall und verfügt über sehr gute Isoliereigenschaften gegen hohe Wärmeeinwirkung. Weitere positive Merkmale sind die relativ hohe Elastizität sowie Feuchtigkeitsregulierung und Diffusionsoffenheit. Eine rückstandsfreie Rückführung in den Recyclingkreislauf und der relativ geringe Energieaufwand bei der Herstellung sind wichtige wirtschaftliche Aspekte.

Zellulose als Dämmstoff

Dämmmaterialien und Platten-Werkstoffe aus Zellulose kommen vor allem für die Dachdämmung im Trockenbereich und für den Wohnbereich zum Einsatz. Eine weitere typische Anwendung von losen Zellulosefasern ist eine Einblasdämmung im Dachbereich als hocheffiziente Zwischensparrendämmung. Sehr häufig wird vor allem im Innenbereich eine Bodendämmung im sogenannten Spray-On-Verfahren vorgenommen. Hier werden die losen Zellulosefasern mit einem entsprechenden Klebe- und Bindemittel vermengt auf beispielsweise die Kellerdecke direkt aufgesprüht und härten aus.

Die Kosten für eine auf Zellulosestoffen basierende Dämmung sind im Vergleich zu anderen ökologischen Produkten erstaunlich gering. Preise von 10 bis 20 Euro pro Quadratmeter ermöglichen hoch wirksame und kostengünstige Isolierungen. Aufgrund der niedrigen Kosten ist dieser Werkstoff das am häufigsten eingesetzte Material beim ökologischen Bauen.

Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,040 bis 0,045 W/(m K) ist eine hervorragende Isoliereigenschaft gegeben. Im Beispiel der Fassadendämmung müsste eine nur 16 cm dicke Materialschicht aus Zellulose-Faserplatten aufgebracht werden, um den geforderten U-Wert von 0,24 W/(m²K) laut EnEv zu erreichen. Nach DIN 4102-1 ist die Baustoffklasse B2 gegeben, nach der neuen DIN EN-13501-1 jedoch als E und teilweise B – s2 d0.

Die wichtigsten Informationen auf einen Blick:

  • Preis pro qm: ca. 10 bis 20€
  • Wärmeleitfähigkeit ca. 0,040 – 0,045 W/(m K)
  • Schichtdicke zur Erfüllung der EnEV: ca. 16cm
  • Brandschutz DIN 4102-1: B2
  • Brandschutz DIN EN-13501-1: B -s2 d0

Hanf:
Die perfekte CO2-Bilanz

Obwohl der rein pflanzliche Rohstoff für andere Anwendungen bekannt ist, wird er zunehmend auch für Isolierungen angewendet. Aus der nachwachsenden Nutzpflanze werden aus den Materialfasern sogenannte Vliesstoffe in Form von Platten, Matten und Wolle erzeugt. Diese werden zudem mit Zusatzstoffen wie Stärke und Stützfasern versehen, um die technischen Eigenschaften und Verarbeitung zu verbessern.

Die Nutzung einer Hanfdämmung als Isolierung bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber vergleichbaren Materialien. Als natürlicher und nachwachsender Rohstoff hat Hanf eine nahezu unschlagbare CO2-Bilanz aufzuweisen. Weitere positive Eigenschaften sind die hohe Feuchtigkeitsbeständigkeit und Resistenz gegen Schädlinge und Schimmel- bzw. Pilzbefall. Zudem bieten Hanfprodukte eine sehr hohe Schalldämmung.

Trotz seiner hervorragenden Eigenschaften ist Hanf noch nicht so etabliert wie vergleichbare ökologische Dämmmaterialien. Die Faserprodukte kommen vornehmlich für Isolierungen und Dämmungen im Innenbereich wie Wand- und Bodendämmung oder die Zwischensparrenisolierung für Dächer in Frage. Durch seinen guten Schallschutz wird Hanf auch in diesem Bereich sehr geschätzt.

Hanf als Dämmstoff

Als reines Naturprodukt wird Hanf zunehmend stärker angebaut und ist immer besser verfügbar. Mit einem Quadratmeterpreis von derzeit 10 bis 25 Euro ist dieser Werkstoff deshalb sehr günstig zu bekommen. Durch den zunehmenden Einsatz von Hanf kann man jedoch davon ausgehen, dass die Preise in absehbarer Zeit weiter sinken werden und den Baustoff damit noch wirtschaftlicher werden lassen.

Die geringe Wärmeleitfähigkeit von 0,040 bis 0,045 W/(m K) ist positiv hervorzuheben. Um den Anforderungen eines U-Wertes von 0,24 W/(m²K) der aktuellen EnEv gerecht zu werden, benötigt man für eine beispielhafte Fassadendämmung eine Materialdicke von nur 16 cm. Die Baustoffklasse ist gemäß alter DIN 4102-1 als B2 eingetragen, nach der neuen DIN EN-13501-1 jedoch als E ausgewiesen. Besonders hervorzuheben ist hier die positive CO2-Bilanz beim Primärenergiebedarf von Hanf.

Die wichtigsten Informationen auf einen Blick:

  • Preis pro qm: ca. 10 bis 25€
  • Wärmeleitfähigkeit ca. 0,040 – 0,045 W/(m K)
  • Schichtdicke zur Erfüllung der EnEV: ca. 16cm
  • Brandschutz DIN 4102-1: B2
  • Brandschutz DIN EN-13501-1: E

Fazit

Bei den verfügbaren ökologischen Dämm- und Isoliermaterialien gibt es nicht DEN idealen Werkstoff. Eine Auswahl des zu verwendenden Materials sollte sich primär nach den technischen Anforderungen und zudem nach den ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten richten. Ökologisch Bauen und ein Haus dämmen kann mit allen hier vorgestellten Materialen erreicht werden, wenn die nötige Materialdicke keine Rolle spielt. Die Dämmungen können im Rahmen eines Neubaus oder auch zur nachträglichen Sanierung optimal eingesetzt werden. Auch wenn die aufgezeigten Dämmstoffe leicht zu verarbeiten und unkompliziert anzuwenden sind, sollte technisches Wissen und handwerkliche Fähigkeit für eventuelle Selbstbauprojekte vorhanden sein. Am sichersten fährt man mit professioneller Hilfe eines entsprechenden Unternehmens.

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